History-Club Zülpich 2014
Geschichte(n) aus der Zülpicher Börde


Die Kindergärten in
 Füssenich und Geich
1940, 1945 und ab 1956.

 


Spielende Kinder sind die Boten für eine bessere Welt

 

(Der Autor)


 

Liebe Leserinnen und Leser,

wenn Sie die Seite meiner Homepage aufgerufen haben, haben sie bereits Ihr Interesse an der Geschichte der vier Kindergärten in Füssenich und Geich bekundet. Das freut den Autor, der selbst einige Jahre in der unvergessenen Einrichtung auf der großen Wiesenfläche  in Sichtweite des damaligen Braunkohleabbaus in Füssenich betreut wurde.

Einen ersten Kindergarten im Doppelort gab es während des Nationalsozialismus (1933-1945). 1940 wurde  er von der Reichsregierung in der Gaststätte "Steenere Hus" in Geich auf der Hauptstraße in dem kleinen Sälchen hinter Schankraum eingerichtet. Später wurde der Kindergarten in eine Baracke in Geich "Auf dem Hostert" verlegt.

Nach dem Krieg -  um 1945 - richtete Pfarrer Johannes Klein  einen "Katholischen Kindergarten" an der B56 in Füssenich (Jugendheim) ein. Der Kindergarten stand als Anbau hinter einem Wohnhaus. Beide Gebäude wurden in der Neuzeit abgerissen.

Mit der damaligen Errichtung des neuen Kindergartens als Neubau an der Jülicher Straße 2 in Füssenich wurde dann ein lang gehegter Traum des Doppelortes endlich Wirklichkeit.
 
Pfarrer Wilhelm Königs vollzog am Pfingstsonntag des Jahres 1956 in einer feierlichen Zeremonie mit vorheriger Andacht in der Kirche die Einsegnung des 50.000 DM teuren Neubaus und wies auf die Notwendigkeit des Baus hin.

 

Teilnehmer der Feier waren unter anderen Dechant Dr. Damian Dederichs und Prälat Lewen, der als Finanzdezernent dem Haus die kirchliche Weihe gab. Geladene Gäste waren seinerzeit der Amtsdirektor Gottfried Braun aus Vettweiß, Amtsbürgermeister Matthias Drove, Bürgermeister Heinrich Ohrem und einige Mitglieder vom hiesigen Kirchenvorstand und vom Lehrerkollegium aus dem Doppelort Füssenich und Geich. 


Hauptlehrer Gottfried Noppeney (links) betonte die Bereit-schaft der beiden Schulen zur weiteren Mitarbeit und Unter-stützung in allen nun kommenden sozialen und erzieheri-schen Aufgaben (Foto Archiv Dr.H.Noppeney).

50 Kinder zogen am 26. Mai 1956 in das Gebäude ein und wurden damals von der Kindergärtnerin Maria Oberkirch und zwei Helferinnen von morgens bis in den späten Nachmittag hinein betreut.


Der neue Kindergarten, der von der Firma Hohn aus Füssenich in 6 Monaten gesetzt wurde,  umfasste im Baujahr 1956 im Wesentlichen einen Haupttrakt mit einem Spielzimmer, ein Krabbelzimmer für die Kleinsten und eine kleine Liegehalle sowie saubere gekachelte Toilettenanlagen und Waschräume.
Der Hauptbau umfasste schließlich ein Büro für die Leiterin und einen großen Geräteraum. Draußen war eine kleine überdachte Stelle zum Verweilen draußen an schönen Sonnentagen.

Heute hat sich an dem äußeren Erscheinungsbild bis auf die späteren Anbauten und Erweiterungsgebäuden nichts Wesentliches verändert. Dennoch haben die Jahre nach den "aufstrebenden 1950ern" dafür Sorge getragen, dass die Führung und Ausstattung des Kindergartens immer wieder mit der Zeit gingen und an die heutigen sozialen Anforderungen angepasst werden konnten. Der Kindergarten - oder wie man heute sagt "KiTa" - ist eine vorbildliche und verantwortungsbewusste Institution innerhalb des Katholischen Kirchengemeindeverbandes Zülpich unter der Leitung von Frau Petra Klinkhammer.


Ich wünsche Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, viel Freude an dieser Doku und dass meine Aufzeichnungen für viele Besucher/innen des Kindergartens nochmals längst vergangene glückliche und sorgenfreie Kindertage in Erinnerung rufen.




Heinz-Peter Müller




"Und sie brachten Kindlein zu ihm, dass er sie anrührte. Die Jünger aber fuhren die an, die sie trugen. Da es aber Jesus sah, ward er unwillig und sprach zu ihnen:
Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht; denn solcher ist das Reich Gottes. Mk. 10, 13-16:



                                       Gemälde: Cranach d.Ä. Christus segnet die Kinder (etwa 1535 bis 1540)
                  


Namensformen:


Für die heute allgemein als „Kindergärten“ bezeichneten Einrichtungen öffentlicher Kleinkindererziehung existierten im 19. Jahrhundert unterschiedliche Namen:


Aus den Bezeichnungen Kleinkinderschule und Kleinkinderbewahranstalt kann nicht auf eine bestimmte Pädagogik geschlossen werden. In Bayern wurde 1839 die Bezeich-nung „Kleinkinderschule“ verboten, da es sich bei den Einrichtungen öffentlicher Kleinkindererziehung um „Privatinstitute“ handelte, die gerade nicht dem Schulwesen angehören sollten.


Die Wortschöpfung Kindergarten geht auf den Thüringer Pädagogen Friedrich Fröbel zurück. Die Findung des Namens bezeichnete er als „Offenbarung“, die ihm im Frühjahr 1840 auf einer Wanderung von Blankenburg nach Keilhau widerfuhr.


Für ihn sollte das Kind im Kinder-Garten wie eine Pflanze gepflegt und gehegt werden, daher der Name. Er war Schüler Pestalozzis (1746–1827), erweiterte dessen Ansätze und setzte sie in den Kindergärten um. Das Wort „Kindergarten“ nahm unübersetzt Einzug in weitere Sprachen, wie etwa das Englische [1].

 

 

[1] Seite „Kindergarten“. In: Wikipedia – Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 8. September 2022, 10:16UTC.URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Kindergarten&oldid=225991705 (Abgerufen 12. Oktober 2022, 16:47 UTC)




 

Der Kindergarten im Nationalsozialismus 1933-45

 

Erntekindergarten in Geich 1940

 im "Em Steenere Hus"

Einen ersten Kindergarten gab es in Geich im Zweiten Weltkrieg in einem Raum des "Steeneren Hus" in Geich, eine Gaststätte an der Hauptstraße in Geich. Später  wurde er in eine Baracke  " Auf dem Hostert" verlegt.  Die damalige Reichsregierung hatte ihn  nach nationalsozialistischen Gesichtspunkten eingerichtet.

"Auf dem Hostert " in Geich. Der Standort der militärisch genutzten ca. 10 mal 8 Meter großen Holzbaracke. Das Bild ist aus US-Beständen und wurde im Jahr 1945 oder 1946 aufgenommen (Archiv History-Club). Hier soll nach Berichten von Zeitzeugen ein vorübergehender Kindergarten eingerichtet worden sein. 1945 bezog man schließlich den kath. Kindergarten an der B 56.

      Auf dem Bild sind vermutlich u.a.: Hanns G.Noppeney, Wilma Börger, Willi Schmitz, Elisabeth Maus, Hans Welter, Philip Gerhard. Wer erkennt den Rest?


Erntekindergarten von Mai - Oktober 1940

Etwa 15  Kinder aus Füssenich-Geich verbrachten vom Mai bis Oktober 1940 Ihre Vorschulzeit im „Erntekindergarten“ in der Gaststätte „Burtscheid“- im kleinen Sälchen hinter dem Schankraum.


Heutiger und damaliger Innenhof der Gaststätte Burtscheid in Geich. Links die Tür zum damaligen „Kindergarten“. Unter dem Fenster war schon damals eine Wasserleitung mit einem Becken. Die Betreuung der Kinder erfolgte von 9-12 Uhr und dann 13 ½  bis 17.00 Uhr.

Fotos: HCZ und Sammlung Dr. Hanns G. Noppeney (rechts als KInd)



Kinder im Kindergarten in Geich ,

während des Krieges um 1940.

Etwa 15 Kinder aus Füssenich und Geich gingen in den Erntekindergarten

 "Steenere Hus" an der heutigen Aachener Straße.


Kinder auf der Heimweg vom Kindergarten in Geich.

Links im Foto die Kirchenmauer und das Pastorat.




Fotos mit freundlicher Genehmigung der Familie F. und M. Steg aus Füssenich.

und Dr. Hanns G. Noppeney.

Foto: Steenere Hus: Sammlung Karl Kloock, Geich.





Nach dem Krieg

 1945

Die alte Baracke wird abgerissen.

Es gab endlich einen katholischen Kindergarten in Füssenich.

 
19.08.1945
Die Kinder durften in den neuen Kindergarten.
Leiterin: Die Augustinerin Evarista -
"Heilige Elisabeth " Namensgeberin.

                                    Die Betreuung oblag bis 1950 noch den Augustinerinnen aus dem Kloster.

                                                                 Das Jugendheim, rechts hinten war der Anbau.

                                                            Archiv Erzbistum Köln/PfA Füssenich, Pfarrchronik

                                                  Hier, hinter dem Hauptgebäude,  befand sich der Anbau .



Hier an der Brüsseler Straße (früher Hauptstraße) stand ein Wohnhaus mit Anbau der Kirchengemeinde. Hier wurde in den späten 1930er und 1940er Jahren auch der Kommunionsunterricht mit Pfarrer Johannes Klein abgehalten. Das Wohnhaus und der Anbau sind heute nicht mehr vorhanden.


Überlegungen und Grundsteinlegung bereits 1934.

In Füssenich des Nationalsozialismus (1933-1945) hatte Pfarrer Johannes Klein, der von 1930 bis 1949 im Kirchenamt war, bereits im Dezember 1934 auf sein intensives Betreiben hin den Grundstein für einen Kindergarten für den Doppelort gelegt (unten).
Hiermit wollte er rechtzeitig ein Zeichen setzen – insbesondere ein solches gegen den zwischenzeitlich massiv in Erscheinung getretenen Nationalsozialismus und seine Ideologie.

Grundsteinlegung des neuen Kindergartens an der B 56 im Jahre 1934 (Archiv Dr. Hanns G. Noppeney) Archiv Erzbistum Köln/PfA Füssenich, Pfarrchronik




Die Urkunde 

 über die Grundsteinlegung am 

09. Dezember 1934.

Der Wortlaut in auszugsweiser Ausfertigung

„Im Jahre des Heils 1934, einem Sonntag, dem 9. Dezember, als Pius XI.Papst der „Katholischen Kirche“ war, Karl Josef Kardinal Schulte Erzbischof von Köln war, Pastor Klein in Füssenich war, Adolf Hitler Führer und Reichskanzler des Deutschen Reichs war, Freiherr von Lüninck Oberpräsident der Rheinprovinz und Dr. Keill, Bürgermeister von Vettweiß waren, wurde im Namen der allerheiligsten Dreifaltigkeit zu Ehren des heiligen Nikolaus und zu Ehren der heiligen Elisabeth der Grundstein zu diesem Kindergarten gelegt.

Dieser Kindergarten wird gebaut in Ausführung der großherzigen Stiftung, die Frau Guth, Elisabeth, geborene Koerver zugunsten der katholischen Kirche zu Füssenich gemacht hat. Die Pläne wurden geschaffen von dem Architekten Franz Vaaßen aus Füssenich und Heinrich Bauer aus Düren, der auch die Bauleitung innehatte. Der Not der Zeit entsprechend ist die Ausführung der Arbeiten soweit als möglich, lediglich Handwerkern und Arbeiter aus der Pfarre Füssenich übertragen worden. Hubert Undorf und Gerhard Schmitz sind als selbständige Unternehmer gemeinsam an diesem Bau tätig.

Oberin Zephyrina ,die die kostenfreie Lieferung von 25.000 Ziegelsteinen vermittelte, wird die Schwestern zur Betreuung der Kinder stellen .Besonders zu bemerken ist noch, dass die Stifterin Elisabeth hieß, dass die staatliche Genehmigung des Testamentes und die Baugenehmigung seitens der zuständigen Behörden  zum Tage der hl. Elisabeth erfolgte und dass am Tage der Grundsteinlegung im Dezember 12- 15 Grad Celsius im Freien zu verzeichnen sind. Gott, segne unser Werk und führe es zum glücklichen Erfolge.


„Einen anderen Grundstein kann niemand legen, als der gelegt ist: J. Christus“

 




Links: Grabmal der Elisabeth Guth geborene Koerver, geb. 1865, gestorben 1928. Sie hat das Grundstück für den Kindergarten gestiftet.


Auszug aus der Urkunde zur Grundsteinlegung am 19.8.1934 am Jugendheim in Füssenich, Hauptstraße.

Quelle: Archiv Erzbistum Köln, Pfarrchronik






 
Pfarrer Johannes Klein, der von 1930 bis 1949 im Kirchenamt war, segnete schließlich am 19.August 1945 den katholischen Kindergarten St. Elisabeth ein (seinerzeit noch angebaut an das ehemalige Jugendheim in Füssenich, Fotos oben), wo er bis zum Neubau des Hortes 1956 an der Jülicher Straße in Füssenich verblieb.

Die Leitung des Kindergartens oblag bis ins Jahr 1950 den Augustinerinnen aus dem Kloster zu Füssenich.  Die erste Leiterin war die Augustinerin Evarista.

Sie wurde tatkräftig unterstützt von Johanna Brand und Maria Elisabeth Noppeney.





Kinder, Kinder ...

Foto aus den Anfangsjahren (1946). Links: Johanna Brand, rechts Maria Elisabeth Noppeney und mittig die Leiterin des Kindergartens, Schwester Evarista.

Oben. Kindergarten, noch immer im Jugendheim, im Jahre 1949.

Mittig im Bild die Augustinerin Schwester Saveria aus dem Kloster zu Füssenich.

Obere Reihe, zweite von rechts: Erzieherin Margrarete Strack, die 1946 ihren Dienst antrat.  Daneben Maria Becker, damals wohnhaft in Füssenich, Große Gasse ,an der Muldenauer-Bach-Brücke.


[1] Vergl. Hanns G. Noppeney, Festvortrag am 11.09.2011 – 300 Jahre St. Nikolaus Füssenich (Fotos der Pfarrer aus der o.a.Vortrag in PDF).Foto: Sammlung M.Strack, Füssen   

 


1956
Der neue Kindergarten in der 
Jülicher Straße 2, Füssenich.


Am 26. Mai des Jahres 1956 war es dann endlich so weit. Füssenicher und Geicher Kinder gingen in den neuen Kindergarten an der Jülicher Straße Nr. 2 in Füssenich.

Prozession zum neuen Kindergarten an Pfingsten 1956. Zuvor fand in der Pfarrkirche eine Andacht statt.

Pfarrer Wilhelm Königs (links) vollzog am Pfingstsonntag des Jahres 1956 in einer feierlichen Zeremonie mit vorheriger Andacht in der Pfarrkirche und anschließender Prozession zum Kindergarten die Einsegnung des 50.000 DM teuren Neubaus und wies auf die Notwendigkeit des Umzugs – weg von der Stätte an der verkehrsreichen B 56 - hin. Teilnehmer der Feier waren unter anderen Dechant Dr. Damian Dederichs sowie der Prälat Lewen, der als Finanzdezernent dem Gebäude und dem Grundstück die kirchliche Weihe verlieh. Fotos: Archiv der Gemeinde Vettweiß.


 

Der damalige Pfarrer, Wilhelm Königs (Foto), der die Pfarre 1950 übernahm, trug zum Bau des neuen Gebäudes maßgeblich bei.

Die Dorfbevölkerung rief nach einem Kindergarten, der entgegen des stark verkehrstangierten Jugend-heimes eher an einer ruhigeren Stelle liegen sollte. Dafür war die Wiese an der Jülicher Straße natürlich der genau richtige Bauplatz.


Zur Baugeschichte 1956.
Pfarrer Wilhelm Königs wies damals darauf hin, dass die Regierung vor drei Jahren die Genehmigung für den alten Kindergarten entzogen hatte, da dieser durch seine Lage an der Bundesstraße 56 und seine Beschaffenheit den Anforderungen nicht mehr ent-sprach.

Die Regierung und die Kölner Kirchenbehörde stellten die Mittel für den Bau eines neu-en Hauses zur Verfügung. Durch die Vermittlung von Amtsdirektor Braun konnte das neue Grundstück durch einen Grundstückstausch schnell bereitgestellt werden.
Durch ein vorbildliches Zusammenspiel von Staat, Gemeinde und Kirche wurde dies noch untermauert. Prälat Lewen überreichte ein Geldgeschenk von 1000 DM für die Ausgestaltung des Kindergartens.



 



Kurz notiert !


15 Jahre nach der Eröffnung:


1971 stifteten die drei Herren Jakob Wolfgarten, Engelbert Schneider und Jupp Hohn eine große Schaukel für die Kinder des Kindergartens St. Elisabeth an der Jülicher Straße 2 in Füssenich. Dazu durften jene mit Pfarrer Königs als erste auf die Schaukel.


                                                                 Archiv Erzbistum Köln/PfA Füssenich, Pfarrchronik

Der Kindergarten 1956 und in der Gegenwart

                              Der Sandkasten heute                                 


                            

        Quelle: Teilweise aus den Dürener Nachrichten und Dürener Zeitung vom 23. Mai 1956.
                                                 Archiv Erzbistum Köln/PfA Füssenich, Pfarrchronik

Oben: Kindergarten in der Jülicher Straße 2, Füssenich, um 1959/60. Links: Tante Eta (Eckstein,)Tante Maria (Oberkirch) und rechts Tante Margret (Strack). Untere Reihe, 3. v.l. der Autor.

                                                    Gruppenfoto um 1962/63. Oben: v.l. "Tante Eta"

                               (Eckstein),  Schwester/Mater Oetsch, "Tante Margret" (Strack).

 

                         Gruppenfoto  um 1960. Im Kloster war ein holl. Priester zu Besuch.   
                Links im Foto: Maria Oberkirch, die den Kindergarten 1962 in Richtung Eschweiler verließ.
         

Oben: Beschäftigung der Kinder durch Schwester/Mater Oetsch Anfang der 1960er Jahre. Im Hintergrund sieht man die Arbeiten im Braunkohletagebau in Sichtweite der Jülicher Straße in Füssenich, die 1959 begannen.


Oben:  Erzieherin Margret Strack, von uns Kindern liebevoll "Tante Margret" genannt.

Sie war eine unverzichtbare Bezugsperson. Vom 01.05.1946 bis 31.03.1951 war sie im Kindergarten im heutigen Jugendheim tätig und nach der Eröffnung des neuen Kindergartens an der Jülicher Straße im Jahre 1956 war sie dort bis zum  28.02.1965 beschäftigt.

Frau M. Strack ist 1929 geboren und lebt heute in Füssenich.


Fotos: Sammlung M. Strack, Füssenich.





Erweiterungsbauten 1966


Da die Räumlichkeiten für den großen Andrang an Kindern nicht mehr ausreichten, wurden in der Mitte der 1960er Jahre Pläne für eine Erweiterung des Gebäudes in die Tat umgesetzt. Zwei Anbauten ergänzten das Hauptgebäude bedeutend. Nun konnten 75 Kinder aufgenommen werden und es wurde eine kleine Turnhalle eingeichtet.


Unter dem Aktenzeichen 400/1965 wurde am 3. Februar 1966 der Rohbauabnahme-

schein ausgestellt und an den Bauherrn versandt.


Quelle: Ernst Architekten BDA, Zülpich





 Maria, breit ´den Mantel aus...
Marienfigur vor dem Kindergarten in Füssenich

Marienfigur vor dem Kindergarten, vermutlich anl. der Einweihung 1956 aufgestellt.

 






Der Kindergarten der Gegenwart

Katholisches Familienzentrum KiTa St. Elisabeth"



Träger der KiTa 

Seit 2009 ist der Kirchengemeindeverband Zülpich der Träger der Kindertagesstätte St. Elisabeth Füssenich. Vorsitzender des Kirchengemeindeverbandes Zülpich ist Domkapitular Pfarrer Guido Zimmermann (links im Bild). Ansprechpartner in Füssenich ist Pfarrvikar Markus Breuer.


Der Kindergarten verfügt über zwei Gruppen und 

stellt insgesamt 40 Plätze für Kinder zur Verfügung.

 Davon 12 Plätze für Kinder von 2 - 3 Jahren.


Leiterin der KiTa ist Frau Petra Klinkhammer; das weitere Personal besteht aus 8 weiblichen pädagogischen Fachkräften und aus zwei Jugendlichen im Praktikum

 (Stand 19.10.2022).




40 Jahre Kindergarten (1956-1996)


Ein Bericht aus dem Jubiläumsjahr 1996 über eine unglaublich lange Zeit…

Auch religiöse Erziehung im Blickfeld.

„Begonnen hatte bekanntlich alles Pfingsten des Jahres 1956. Der Kindergarten wurde für 50 Kinder eröffnet, damalige Leiterin war Maria Oberkirch. Ihr zur Seite standen Frau Margarete Eckstein, Geich,  und Frau Margarete Strack, Füssenich. Aufgrund des großen Einzugsgebiet reichten zwei Gruppen bald nicht mehr aus und es wurde noch ein weiterer Gruppenraum und eine Turnhalle angebaut. Nun bot sich Platz für 75 Kinder.

In 40 Jahren und bei drei Gruppen haben über 1000 Kinder die Einrichtung besucht. Viele stehen mittlerweile im Berufsleben haben Familien, vertrauen uns inzwischen selber ihre Kinder an und manche von ihnen sind vielleicht schon Großeltern.
Das Ziel der Erzieherinnen in dieser Zeit war es, die Kinder auf das spätere Leben vorzubereiten und sie zu selbstbewussten, selbständigen und lebenstüchtigen Menschen zu erziehen.

Im Laufe der Zeit änderten sich jedoch die Anforderungen an den Kindergarten und auch an die Erzieherinnen. Wir versuchen darüber hinaus, den Kindern in der heutigen Zeit die Möglichkeit eines Ausgleiches zum hektischen Alltag zu bieten, und sich spielerisch mit Altersgenossen auseinanderzusetzen. Dafür ist es erforderlich, dass wir personell gut ausgestattet sind.

Zurzeit sind sechs Erzieherinnen und eine Vorpraktikantin beschäftigt. Es ist eine Erleichterung, dass pro Gruppe zwei Erzieherinnen tätig sind und nicht, wie früher, sich mehrere Gruppen eine Zweitkraft teilen müssen.


Und dennoch sind wir immer wieder auf die Hilfe der Eltern angewiesen; bei jedem Sommerfest, insbesondere bei dieser Jubiläumsfeier, aber sicher auch bei den anderen Aktivitäten, wie zum Beispiel Sanderneuerung oder Instandsetzung von Spielgeräten.
Stark beanspruchtes Spielgerät muss ab und zu wieder in Stand gesetzt werden.

Dank gilt unserem Träger, angefangen mit Herrn Pastor Königs, Herrn Pastor Pohl und nun Herrn Pastor Zensus sowie dem Kirchenvorstand. Dank den damaligen Rendanten, Herrn Fröhlich, Herrn Pütz, in jahrzehntelanger Tätigkeit Herrn Schick und nun Herrn Bär.

Sie haben sich viel für uns eingesetzt und tun es immer noch. Dank gilt auch unserem Gärtner Herrn Schmitz. Seine Vorgänger waren Herr Frings, Herr Stockhausen und Herr Wolfgarten. Dank auch den Reinigungskräften, begonnen mit Frau Agnes Wolfgarten, dann Marga Bogner und zurzeit sorgt Frau Erna Goebels dafür, dass im Kindergarten immer „klar Schiff“ ist.

Wir danken auch den Pfarrsekretärinnen. Bis vor zweieinhalb Jahren war Frau Maria Müller und heute Frau Trudi Franzen für uns tätig. Eine große Bereicherung für unsere Einrichtung stellt Frau Waldbroel dar. Sie ist Pastoralreferentin in unserer Gemeinde und unterstützt uns bei der religiösen Erziehung der Kinder.

Wir bedanken uns auch bei den Eltern für das Vertrauen, das sie und entgegenbringen und für die gute Zusammenarbeit.

Vor allem aber hoffen wir, dass uns die Kinder in guter Erinnerung behalten und gerne an ihre Zeit im Kindergarten zurück denken.


Kita-Team, 1996.


Da der Platz für die vielen Kinder nicht mehr ausreichte, wurden schon sehr früh zwei Anbauten fertiggestellt, wie die Zeichnung aus 1969 dokumentiert.



Weitere Erweiterungsbauten.

2014 wurden bedeutende Umbauarbeiten im Kindergarten nötig.
Ab diesem Zeitpunkt wurde in der KiTa zusätzlich auch eine Betreuung von Kindern unter drei Jahren (U3) angeboten. Um- und Erweiterungsbauten sowie Anhebung des Personalbestands waren daher unumgänglich.


Die ehemalige „Garage“ wurde zu einem zusätzlichen Raum für die Kinder umgebaut, es musste ein Wickelraum für die Kleinsten eingerichtet werden und weitere Schlaf- und Ruhemöglichkeiten ergänzt werden. 



November 2015-
Kinder feierten den Namenstag der heiligen Elisabeth.


Bericht des KiTa-Teams.

Namenstag unserer „Kindergartenpatronin“ in der KiTa St. Elisabeth Füssenich "

Alljährlich werden in den Kindertagesstätten das Martinsfest und der Nikolaustag gefeiert. Die Kinder erfahren Geschichten über Heilige, die sich für ihre Mitmenschen eingesetzt haben. 

Auch das Leben der heiligen Elisabeth war von dieser Haltung bestimmt. Durch die Beschäftigung mit dem Leben und Wirken der heiligen Elisabeth konnten wir den Kinder     wieder aufs Neue die Bedeutung des Christseins aufzeigen. Mit dem Einstieg des für Kinder sehr interessanten Themas „Mittelalter“ konnten wir auf faszinierende Weise die Kinder mit der Person der Elisabeth vertraut machen. Als junge Frau setzt sie sich selbstbewusst über die Standesregeln der adeligen Gesellschaft hinweg und suchte den direkten Kontakt mit den einfachen Menschen. Ergriffen von deren Elend, widmet sie sich bald völlig der Nächstenliebe: Sie wird von der heimischen Burg verstoßen und lebte fortan nach dem Vorbild des heiligen Franz von Assisi im Dienst an den Kranken. Neugierig gemacht durch typische Bilder des Mittelalters, Burgen und Ritter, konnten die Kinder sich intensiv mit der Lebensgeschichte der heiligen Elisabeth in einem Bilderbuch auseinandersetzen und vertraut machen. 

Am Namenstag der heiligen Elisabeth, dem 19. November, besuchten wir unsere Pfarrkirche um ihrer zu gedenken und Gott für ihr Wirken zu danken. Anschließend feierten wir in unserem „Elisabeth-Kindergarten“ alle gemeinsam ein kleines Namenstags-Fest. Zur Vertiefung dieser Heiligengeschichte legten wir die Legende vom Rosen-Wunder als Bodenbild, um so die Spur dieser ungewöhnlichen Frau zu verfolgen und ihre Bedeutung für uns heute besser zu verstehen.
Bei dem Rosen-Wunder hat Jesus die heilige Elisabeth beschützt, in dem er das Brot, das sie an Arme verteilen wollte in Rosen verwandelte. 

Als Abschluss dieses Projektes haben wir mit den Kindern zur Erinnerung an das “Rosen-Wunder“ einen Rosenstock auf dem KiTa-Gelände gepflanzt. An den Blüten und dem Duft werden wir uns im nächsten Jahr erfreuen."


Das Team der KiTa Füssenich.



Info: Dass es sich bei der Namensgeberin um die heilige Elisabeth aus Thüringen handelt, geht aus den privaten Aufzeichnungen des Pfarrers Johannes Klein hervor, der 1934 über die Grundsteinlegung des ersten Kindergartens ausführlich berichtet. Er schreibt u.a., dass die Baugenehmigung „an den Tagen zu Ehren der hl. Elisabeth“ am 17. November 1934 im Pfarrheim vorlag. Der Sterbetag ist der 17. November. Der Gedenktag der Heiligen ist der 19. November (Anm. des Autors). 

Quelle: Historisches Archiv Erzbistum Köln Pfarrarchiv.


20. Mai 2016 - 

60 Jahre Kindergarten an der Jülicher Straße 2.

 

 Wasserschaden und Umzug ins Schulgebäude. 

Am Sonntag, dem 26. Juni 2016 feierte die KiTa Sankt Elisabeth in Füssenich ihr 60-jähriges Jubiläum. Zu Pfingsten des Jahres 1956 wurde der Kindergarten unter Teil-nahme vieler Vertreter der Kirche und Verwaltung und Schule bekanntlich eingeweiht. Dazu eingeladen hatten die Kinder selbst, die Eltern, der Förderverein, das Team und der Träger der KiTa, der Katholische Kirchengemeindeverband Zülpich.Man startete 
mit einer heiligen Messe um 11:00 Uhr auf dem KiTa-Gelände. Anschließend gab es 
ein tolles Programm.

 


Im Sommer 2016, kurze Zeit nach den Feierlichkeiten zum 60jährigen Bestehen der KiTa,  wurde der Kindergarten - ausgehend von der Turnhalle (Foto) - von einem schwe-ren Wasserschaden heimgesucht, der so nachhaltig wirkte, dass alle Kinder und das ganze Personal für mehrere Monate in die Schule Füssenich umgesiedelt werden mus-sten. Die ganze KiTa wurde unter Wasser gestellt. Viele Möbel, Schränke u.a. wurden an einem einzigen Wochenende unbrauchbar. Anfang des Jahres 2017 konnten die Kinder dann wieder in ihre gewohnte und jetzt völlig sanierte Umgebung „heimkeh-ren“.   Der Schaden überschritt die Summe von 100.000 EUR.

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Fotos: Sammlung History-Club/KiTa St.Elisabeth, Füssenich 2022, Sankt Nikolaus-Bote, Advent 2016.

 




Die aktuelle Situation
Katholische Familienzentren im Dekanat Euskirchen


Bad Müstereifel
Erftmühlenbach
St. Martin, Euskirchen
St. Severinus, Kommern
Weilerswist
Zülpich


Kath. Familienzentrum Zülpich
Zum Familienzentrum Zülpich gehören:


• St. Agnes, Lövenich
• St. Elisabeth, Füssenich
• Heilig Kreuz, Wollersheim
• St. Johannes und Sebastianus, Niederelvenich
• St. Peter, Zülpich
• St. Stephanus, Bürvenich



Das Katholische Familienzentrum Zülpich besteht aus sechs sehr verschiedenen Ein-richtungen, die gerade in ihrer Verschiedenheit das Fundament für ein einheitliches Zusammenwirken im christlichen Glauben bilden. 

Dies alles bildet die Grundlage allen Handelns in den Familienzentren und in den ange-schlossenen Kindergärten. Und gerade dieses Zusammenspiel und die daraus erwachsenen Gefühle der Geborgenheit spüren und schätzen die Eltern und Kinder in den Einrichtungen der Pfarreiengemeinschaft Zülpich am meisten.

Die KiTa in Füssenich stellt insgesamt 40 Plätze für Kinder zur Verfügung. Davon 12 Plätze für Kinder von 2 - 3 Jahren. Leiterin der KiTa ist Frau Petra Klinkhammer; das ganze Personal besteht aus 8 weiteren weiblichen pädagogischen Fachkräften und aus zwei Jugendlichen im Praktikum (Stand Herbst 2022).


Das Ziel aller Erzieherinnen bleibt seit dem Beginn der Einrichtung, die Kinder auf das spätere Leben gut vorzubereiten und sie zu selbstbewussten, selbständigen und le-benstüchtigen Menschen zu erziehen. Das Bekenntnis zum christlichen Glauben und die Wahrung der Werte für das er steht, ist ein bedeutender Baustein in der Erziehung der Vorschulkinder. Die Stärkung des Gemeinschaftsgefühls und gegenseitige Rück-sichtnahme sind Lernziele, die bei den pädagogischen Fachkräften weit oben bei der täglichen Arbeit mit den Kindern stehen.


Regelmäßige Gebete und das Singen von religiösen Liedern gehören ebenso auf den „Stundenplan“ wie die vom Fachpersonal dargebotenen Erzählungen vieler schönen Geschichten aus der heiligen Schrift, wobei die Erzählungen zur Weihnachtszeit wohl die schönsten sein dürften und das größte Gehör bei den Kleinen finden.

Das Mittagessen erhalten die Kinder gemeinsam mit dem Personal aus der Einrichtung „Lebenshilfe Bürvenich“.

In den Kindergarten St. Elisabeth können auch Kinder eines nicht-katholischen Glau-bens aufgenommen werden. Sie nehmen - außer an den kath. Messen in der Pfarr-kirche - an allen religiösen KiTa-Programmen teil.

So z.B. an den Vorbereitungen zum Osterfest, zum Nikolaus- und Weihnachtsfest. Aktuell nahmen die Kinder und die Eltern am Martinszug am 09. November 2022 in großer Zahl teil  ( Foto: HCZ).


Die weit gestaltete Außenanlage des Kinderartens, die an der gesamten Jülicher Stra-ße entlang führt, bietet alles, was das Kinderherz höher schlagen lässt. Hier wurden in den letzten Jahren immer neue und attraktivere Gerätschaften durch Kauf oder Spen-den aufgestellt.


So findet man im Füssenicher Kindergarten einen großen Sandkasten, lebensgroße Holzfiguren zum Besteigen, Höhlen aus Holzstämmen, zwei massive Holzhäuser und einen Kletterturm aus Eisenstangen, eine Rutschbahn, eine Schaukel u.v.m.

                                       Eine Rutschbahn und eine Schaukel sind unverzichtbare Spielgeräte bei

                                       Ausgestaltung der Außenanlage einer Kindertagesstätte.



Gemeinsam erarbeitetes Konzept
Grundlage für den Erfolg.

Die am Kath. Familienzentrum beteiligten Einrichtungen denken und wirken nach einem  gemeinsam erarbeiteten Konzept.
Es besteht aus folgenden Bestandteilen: 

• Analyse der sozialen und der pastoralen Situation,
• Bedarfsanalyse und Zielentwicklung,
• Planung der erforderlichen Angebote sowie
• Vereinbarung der Leitungs-, Kooperations- und Kommunikationsstrukturen.


Das vorliegende Konzept ist dabei nicht „ in Stein gemeißelt“. Anregungen und Wünsche der Kinder und Eltern werden unter der Voraussetzung der Durchführbarkeit geprüft und schließlich der zuständigen Stelle zur eventuellen Umsetzung vorgelegt.



Quelle: Vergl. https://www.erzbistum-koeln.de/kirche_vor_ort/familienzentren/in_ihrer_naehe/euskirchen/zuelpich/angebote/



Die Einrichtung der KiTa  Füssenich


(Stand Oktober 2022).


 Die KiTa in Füssenich heute: oben links: Gruppenraum Marienkäfer (U3 Gruppe)

Rechts oben: Waschraum

Links Mitte: Schlafraum - Links unten: Gruppenraum Schmetterlinge

Rechts unten: Wickelraum.



                                Links: Bewegungsraum                           Teil der Außenanlage


               Weitere Räume und Spielgerät für den Innen- und Außenbereich.




Die Protagonisten


Pfarrer Klein und Pfarrer Königs  -

"Derbe Tatkraft" und "sensibler Schöngeist"

zum Wohle 

der Kinder aus Füssenich und Geich


Dr. jur. utr. Hanns G. Noppeney, 

der "Füssenicher mit Leib und Seele"  war und auch nach seinem Weggang aus dem Doppelort, immer noch mit Überzeugung geblieben ist, verdanken wir interessante Gedanken aus seiner Festschrift „ 300 Jahre St. Nikolaus-Stift“ aus dem Jahre 2011“.

Zur Person Johannes Klein führt er aus:

„Als 1889 Geborener hat er als Heranwachsender eine Phase deutscher Geschichte durchlebt, die die Menschen oftmals zu deutsch-nationale Begeisterung brachte. Als Kind der Kaiserzeit hatte also auch Patriotisches bei ihm seinen Platz - neben christlichen Werten. Seine Aufzeichnungen als vormaliger Rektor in Alzenbach bei Eitorf an der Sieg belegen, dass er mit den damals aufkommenden politisch ideologischen Lebensmodellen nicht mehr zurechtkam. 

Auf diesem Hintergrund ist denn auch verständlich, dass er sich in Füssenich nicht abermals mit Kräften dieser Ausrichtung auseinandersetzen wollte. Insoweit wird man es als pfiffig zu bewerten haben, dass er zunächst über die noch nicht schulpflichtigen Kinder Zugang zu den Familien suchte, um dann im zweiten Schritt neben diesen zu den Erwachsenen zu gelangen. 

Am 9. Dezember 1934 wird auf sein intensives Betreiben der Grundstein für einen Kindergarten gelegt (oben). Hiermit wollte Pfarrer. Klein ein Zeichen setzen - insbesondere ein solches gegen den zwischenzeitlich sehr massiv in Erscheinung getretenen Nationalsozialismus. 

Weitaus früher als etliche hochrangige Vertreter der Kirche hatte er erkannt, dass man den Rang einer Weltanschauung, letztlich den einer Religion anstrebte - mit Adolf Hitler, dem von der Vorsehung vorherbestimmten Führer. 

Im Kontext hierzu schienen die Entwicklungen um den Bau des Kindergartens nach vier Jahren (!) perspektivlos geworden zu sein, denn unter dem 20. Mai 1938 informierte Pfr. Klein das Hochwürdigste Erzbischöfliche Generalvikariat darüber, dass er wegen des Einspruchs der Partei gegen den Neubau des Pfarrheims zu Füssenich den Kindergarten nicht nach katholischen Grundsätzen errichten könne. 

Es muss Pfarrer Johannes Klein geradezu gefuchst haben, dass die nationalsozialis-tische Volkswohlfahrt, einen „Erntekindergarten“ im kleinen Saal Burtscheid eröffnete, der später in eine Baracke auf dem Hostert verlegt wurde. Wen wundert es bei dem be-kannten Auftreten Pfr. Kleins, dass er gleich nach Kriegsende sein besonderes Augen-merk auf dieses Bauwerk richtete?! In der Pfarrchronik hält er insoweit fest: Ich erwarb die Baracke, da sie Kriegsbeute war, von amerikanischen Kommandanten zur Ausbesserung der Geicher Kapelle. 

Der Zweite Weltkrieg war kaum zu Ende, als am 19. August 1945 tatsächlich der katholische St. Elisabeth Kindergarten im Jugendheim zu Füssenich feierlich eingesegnet wurde. - Ihre Leiterin war die Augustinerin Evarista; Johanna Brand und meine Schwester Marliese standen ihr zur Seite“. 

1949 verließ Pfarrer Johannes Klein den Doppelort Füssenich-Geich und seine letzten Aufzeichnungen, die heute noch im Pfarrarchiv erhalten sind, stimmen nachdenklich:
„Am Samstag, den 30. April 1949, habe ich mich von der Pfarrgemeinde Füssenich und Geich verabschiedet“.



Steckbrief:

Johannes Klein, Pfarrer in Füssenich von 1930 bis 1949, war geboren in Hussen am 09.08.1889. Geweiht wurde er am 15.02.1916; danach war er Kaplan in Krefeld; ab 1921 Kaplan in Eitorf und danach ab 1925 Rektor in Alzenbach; ab November 1949 bis 1964 war er sodann Pfarrer in Hüchelhoven, wo er am 21. Juli 1966 in die Ewigkeit ab-berufen wurde.




Am 25. Mai 1950 wurde Wilhelm Königs Pfarrer in Füssenich-Geich.


Pfarrer Königs wird neuer Pfarrer von Füssenich und Geich. Die Feier fand im Mai 1950 in der eigens für dieses Ereignis geschmückten Kapelle in Geich statt.  Im Foto: Hauptlehrer Gottfried Noppeney gratuliert dem neuen Pfarrer.


                           Einen herzlichen Empfang gab es auch von den Messdienern der Pfarre.


 Heilige Messe mit Pfarrer Wilhelm Königs in der Pfarrkirche in  Füssenich zusammen mit den Kommunionkinder.



Noppeney führt hierzu aus:

„Wie präsentierte sich Pfarrer Königs? - Ich möchte aus einem Brief zitieren, den ich ihm zu seinem 25-jährigen Ortsjubiläum geschrieben habe:

Es ist das Schicksal eines jeden Neulings, an seinem Vorgänger gemessen zu werden. Seien sie mir deshalb nicht böse, wenn ich damals der Meinung war, dass Sie es bei uns in Füssenich – Geich nicht lange aushalten würden. Es waren nicht nur körperliche Unterschiede zu Ihrem Vorgänger und die sich daraus ergebenden Probleme, beispielsweise für Sie immer passende Messgewänder parat zu haben oder das Sie erhöhende Schemelchen beim Erteilen des sakramentalen Segens.

Ihre Ausdrucksweise, ihre Predigtstil, ja Ihre ganze Art schienen mir zu fein, zu gewählt. - Dass Sie zu alledem weder platt sprachen noch verstanden, bekräftigte mich in meiner damaligen Meinung, insbesondere unter Berücksichtigung der in unserem Dorf bestehenden Meinung: Wer oss Sproch net sprech, der jehürt och net he hin. 

Schon wenige Wochen nach ihrem Amtsantritt zeigte sich, dass zur Akzeptanz von einer neuen Gruppe nicht das Beherrschen kurioser sprachlicher Fähigkeiten bestimmend ist, sondern auch, wenn nicht gar primär die Begabung, anderer Menschen Denkweise erfassen und nachvollziehen zu können. - Was bewiesen Sie uns konkret? 

Sie bauten auf der grünen Wiese einen neuen Kindergarten - noch schöner als der bisherige und gewannen damit die Herzen der Kleinen und den Dank ihrer Eltern. Den Männern vermittelten Sie die Ideen Adolf Kolpings (links). Die Frauen begegneten sich im Frauen- und Mütterverein. 

Ein für jedermann sichtbares Denkmal haben Sie sich durch die zahlreichen Restaurationen an unserer Kirche und deren wertvollen Innenausstattung gesetzt. 


Ich möchte Ihnen heute meinen Respekt für Ihre umfänglichen Erfolge bekunden - und zu dem Rekord gratulieren, dass Sie der erste Füssenicher Pfarrer sind, der es nun auf 25 Priesterjahre bei uns gebracht hat: Pfr. Pabst hat es auf 10, Pfr. Scheufens auf 16 und Pfr. Klein auf 19 Jahre gebracht.
Pfr. Königs wird man dem Kreis der Ästheten zuzuordnen haben. Woran läßt sich dies festmachen? 

Die Pfarrchronik hält im Jahre 1953 fest: Im Sommer ging die Pfarre auf Anregung des Herrn Oberbaurates Wildermann von der Denkmalpflege in Bonn daran, die Umgebung der Pfarrkirche würdiger zu gestalten. Man muß im Kontext hierzu wissen, dass dort ein Schweinestall bestand und - selbst in den 50er Jahren - noch ein „Plumsklo“.

Diese Anlagen zu entfernen, war bereits seit 1951 das Bemühen des Kirchenvorstan-des.

 

Mit einer Predigt zum Gedenktag für die Gefallenen des Weltkrieges 1939/1945 verband sich endlich der notwendige Impuls,  an der Mauer (zwischen Kirche und Pastors Garten) eine Gedenkstätte für alle Kriegsopfer des 2. WK aus unserer Pfarre anzulegen (links).
Der latente Ehrgeiz Pfarrer Königs, bei seinen Überlegungen auch Geschmack und Schönheit in den Vordergrund zu rücken, lässt sich besonders eindrucksvoll an einer seiner Pfarrchronik-Eintragungen ablesen. Für das Jahr 1965 hält er fest, dass dieses Jahr von der Restaurierung unserer Pfarrkirche geprägt ist.

Im Einzelnen berichtet er, dass eine Doppelsakristei der Kirche angegliedert worden sei. Notwendig gewesen seien auch Arbeiten am Gewölbe gewesen, wo sich ganze Brocken (durch die Bombenabwürfe vor 20 Jahren) gelöst hatten.

Die Bilanz über seine Aktivitäten konnte Pastor Königs im Jahre 1975 nochmals toppen, also in dem Jahre, in dem er sein silbernes Ortsjubiläum feierte. In der Chronik ist die Rede von der Erneuerung des Daches der Geicher Kapelle sowie der Restaurierung von Kirche und Orgel in Füssenich. Insgesamt verbanden sich diese Maßnahmen mit einem Aufwand von einer halben Million DM.


Pfarrer Wilhelm Königs, der 36 Jahre Pfarrer in Füssenich-Geich war, ist an den Folgen seines Autounfalls zwischen Froitzheim und Füssenich am 13. Oktober 1986 verstorben. 


Steckbrief
Wilhelm Königs war zuletzt Pfarrer in Füssenich/Geich (1950 bis 1986). Geboren wurde er am 30.8.1902 in Aachen. Seine Priesterweihe empfing er 1928; mehrere Kaplanstellen hatte er zwischen 1929 bis 1934; 1938 wirkte er als Rektor im Krankenhaus Wipperfürth und als Subsidiar an der dortigen Kirche; ab dem Jahr 1940 war er der dortige Krankenhauspfarrer. Verstorben ist er am 13.10.1986 nach seinem Autounfall zwischen Froitzheim und Füssenich.



Links: Das 1930 erbaute Pfarrhaus, in dem zuerst Pfarrer Johannes Klein bis 1949 wohnte. Seinen Haushalt führte damals seine Schwester Therese (Pastursch Threes).

Danach wohnte Pfarrer Wilhelm Königs bis 1986 dort. Seinen Haushalt führte „Frl. Änne“,die auch die sonntägliche unverzichtbare Bücherausgabe leitete.


Pfarrhaus in der Kirchstraße heute St. Nikolaus-Straße.


                                                                      Zum Vergößern bitte anklicken.


Hinweis

Der vollständige Text der Festschrift steht im Internet als PDF- Datei zur Verfügung: Suchwort: 300 Jahre St. Nikolaus Füssenich - PDF Free Download. Autor Hanns G. Noppeney.
Der dort bereitgestellte Text ist zwischenzeitlich durch die „Version 20.10.22“ vom Autor redaktionell in wenigen Teilen überarbeitet worden, sein wesentlicher Inhalt ist jedoch erhalten geblieben.



 



„Frauen und Mütterverein“

Verein bereits in den 1930ern aktiv.
1951 wurden 200 Mitglieder gezählt.

Unmittelbar nach seinem Antritt als neuer Pfarrer offenbarte der damals 48 jährige Wilhelm Königs seine Ziele und Schwerpunkte beim „Hüten seiner neuen Schafe“.

Der neue Kindergarten mit weit angelegter Spielwiese und mit einem modernen Gebäu-de oder die Vermittlung der Ideen des Adolf Kolpings für die Jugendlichen im Doppel-ort und nicht zuletzt die Weiterführung und Förderung des bereits bestehenden  „Frau-en und Müttervereins“ sind nur drei gute Beispiele für den immensen Tatendrang des „feingliedrigen und mit viel Kunstverstand ausgestatteten "Neubürgers."


Ein Lichtbild mit besonderem Wert: Pfr. Königs und sein Vorgänger auf einem Foto.

Pfr. Königs (links) und Pfr. Klein zusammen mit Frauen- und Mütter der Pfarre Anfang der 1950er „im Grünen“. Vermutlich wurde das Foto bei einem Besuch der Frauen samt Pfr. Königs bei Pfr. Klein in Hüchelhoven Anfang der 1950er Jahre in dessen Garten aufgenommen.

(Foto: Sammlung Dr. Hanns G. Noppeney)

In der Vereins-Chronik ist unter dem Jahr 1931 festgehalten:

"Die Frauen und Mütter der Pfarre hielten bereits seit Sommer 1931 jeden Monat ge-meinschaftlich die heilige Kommunion.

Später heißt es: Das Vereinsbüchlein des Frauen- und Müttervereins wurde eingeführt.

Frau Witwe Vaehsen betete vor. Es nahmen von Anfang an über 100 Frauen an der hl. Kommunion teil. Um diese Frömmigkeit in geordneten Bahnen zu leiten, wurde eine Frauenkongregation gegründet. Am Sonntag, dem 3. Juli wurde die Aufnahmefeier gehalten, zu der die Vorstandsfrauen vorher alle Frauen eingeladen hatten. Die Frauen sangen das Vereinslied und Oberpfarrer Karl von Lutzenberger (links im Bild)hielt ein schöne Aufnahmepredigt.

Die Jungfrauen sangen vor der Aufnahme mehrstimmige Marienlieder. Jede der teilnehmenden Frauen erhielt an der Kommunionbank eine geweihte Muttergottes-Medaille und ein schönes Aufnahmebildchen. Im Vereinsbüchlein wurde die Aufnahme bescheinigt und auch in das Vereinsalbum eingetragen.

Es war eine erhebene Feier, die hoffentlich noch reiche Früchte für die Frauen und ihre Familien bringen wird" (Quelle: Sammlung K. Valder, Geich).



"Frauen und Mütter"  - Mehr als nur Zusammenkunft

Viele Unternehmungen aus den Anfangsjahren des „Frauen- und Müttervereins" der Pfarrgemeinde Füssenich-Geich könnten hier bereits aufgelistet werden.

Einige solcher „Events“ sollen hier für den Beweis des großen Zusammenhalts dieser christlichen Frauengemeinschaft, die noch nach über 90 Jahren Bestand hat,  dienen:


Einmal im Jahr unternahmen die Damen samt Pfarrer einen Ausflug ins Grüne ,um dem häuslichen Alltag zu entfliehen und neue Kraft zu schöpfen. An jedem  Muttertag fand eine Muttergottesfeier statt.

Regelmäßige Kaffee-Nachmittage und zu Karneval einstudierte Vorträge im Jugend-heim sorgten dann in späteren Jahren für Unterhaltung und Freude. Auch das "Mütter-heftchen" wird bis in die heutigen Tage noch aufgelegt, wenn auch nur noch in kleiner Auflage.

Und nicht zu vergessen: Die jeden Donnerstag in der Pfarrkirche stattfindende soge-nannte „Müttermesse“, die schon jahrzehntelang in dieser ursprünglichen Form bei-behalten werden konnte. Immer um 9.00 Uhr in der Pfarrkirche St. Nikolaus in Füsse-nich. In den Anfangsjahren des Müttervereins fanden des Weiteren Wallfahrten zu verschiedenen religiösen Orten und Stätten große Begeisterung und Teilnahme.

Nicht ausgelassen werden sollte, dass Pfarrer Königs maßgeblich an der Einrichtung eines "Seniorenclubs (Senioren-Stübchen) für die Geicher und Füssenicher Seniorinnen und Senioren beteiligt war. Erste Vorsitzende war Katharina Valder aus Geich.

Heute ist der Weiterbestand  der  "Katholische Frauengemeinschaft Füssenich-Geich," wie man sich heute nennt,  aus diversen Beweggründen stark gefährdet.

Bleibt die Hoffnung, dass sich die Gründe dafür bald in Luft auflösen und der Verein weitergeführt werden kann. Die Vorsitzende Daria Drove aus Geich, die das Amt vor Jahren von Frau Katharina Valder aus Geich übernommen hat, tut jedenfalls alles, um dem traditionsreichen Verein neue Impulse zu verleihen und ihn irgendwie am Leben zu erhalten.

Wünschen wir ihr viel Glück !



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