Auch die Interessen

      der Schuldner im Auge 

 

Zwangsversteigerungen beim Amtsgericht Düren:

Kein „Schnäppchenmarkt“ für Immobilien, aber oft ein Weg aus der Schuldenfalle. Manchmal wird auch durch die Justiz eine Erbengemeinschaft aufgelöst.  

 

Saal
Saal u.a. für Zwangsversteigerungen

 

Der Saal 2.30 ist ein ganz normaler Gerichtssaal. Echter Parkettboden und eine alte Holztäfelung verbreiten eine gewisse Erhabenheit vergangener Zeiten. Die 24  Polsterstühle für Zuschauer sind bis auf einen alle leer. Vorn am Richtertisch hat der Rechtspfleger Platz genommen. Mit fester Stimme beschreibt er ein Objekt in der Dürener Innenstadt, das zur Zwangsversteigerung ansteht. Er nennt Lage, Grundbucheinträge und den von einem Gutachter ermittelten Verkehrswert.

Aufmerksam verfolgen der einzige Interessent und der Anwalt der Gläubigerbank seinen Ausführungen besonders als die Bedingungen genannt werden. Diesmal sind es fünf Zehntel des Verkehrswertes, die mindestens geboten werden müssen. Dass der einzige Bieter an diesem Vormittag weit darunter bleibt, stört zunächst niemanden. Aber eine halbe Stunde später, nach Ablauf der Frist für weitere Gebote, verweigert der Rechtspfleger den Zuschlag, weil das festgesetzte Mindestgebot nicht erreicht wurde. In frühestens drei Monaten, in der Regel aber einige Wochen später, wird ein weiterer Versteigerungstermin für das besagte Objekt von Amts wegen anberaumt.

 

Beim Amtsgericht Düren kommen im Jahr durchschnittlich 200 Objekte unter den Hammer, wie Versteigerungen im Volksmund umschrieben werden.

Hauptgrund für eine Zwangsversteigerung ist natürlich, wenn jemand ein Haus oder eine Wohnung gekauft hat, und seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommt. Seltener ist der Grund die „Aufhebung einer Gemeinschaft“. In solchen Fällen sprechen die Rechtspfleger von einer Teilungs- oder Aufhebungsversteigerung. Das kommt vor, wenn mehrere Eigentümer, etwa Erben oder Ex-Partner, sich über Verkauf oder Kaufpreis einer Immobilie nicht einigen können. Das kann aber auch passieren, wenn ein Erbe das Geld aus dem Verkauf braucht, weil er etwa auswandern möchte. Kurzum: Ist eine gütliche Einigung nicht möglich, hebt das Gericht die Gemeinschaft auf.

 

Weitaus häufiger sind die Fälle wegen ausbleibender Zahlungen. Meistens sind es dann die Banken, die den Kauf einer Immobilie finanziert haben und nach allen anderen gescheiterten Versuchen beim Zivilgericht einen Titel (Zahlungsansprüche) erwirkt haben.

Wenn das Gericht die Zwangsversteigerung anordnet, wird dies im Grundbuch eingetragen, damit der Eigentümer das Haus oder Grundstück nicht mehr so ohne weiteres an einen Kaufinteressenten veräußern kann. Bevor ein Kaufvertrag also zustande kommt, ist ein Kaufinteressent vorgewarnt.

 

Andererseitshat das Gericht auch stets die Interessen der Schuldner im Auge. Aus diesem Grund wird beispielsweise auch ein Mindestgebot festgelegt, das sich nach dem Verkehrswert richtet. Dazu lässt das Gericht ein umfangreiches Gutachten erstellen. So ist es auch schon vorgekommen, dass das höchste Gebot über dem Verkehrswert lag.

Die Bieter haben sich in der Regel vorher gründlich informiert. Immerhin müssen sie vorher eine Sicherheitsleistung von zehn Prozent des Verkehrsweites hinterlegen. Wenn ein Bieter den Zuschlag erhält, wird er noch im Gerichtssaal zum Eigentümer – mit allen Rechten und Pflichten, die mit dem Haus oder Grundstück zusammenhängen. Sein Gebot hat er spätestens acht Wochen nach der Versteigerung an das Gericht zu zahlen.  

  

Beim Gericht können Interessenten das Gutachten, in dem das Projekt beschrieben ist, ausgiebig einsehen.

Beim Versteigerungstermin können durch Gläubiger oder Schuldner Anträge gestellt werden, etwa das Verfahren auszusetzen. Darüber entscheidet die Rechtspflegerin oder der Rechtspfleger.

 

Text: Hartmut Prüss, Niederzier