Die Rechtsanwaltschaft

 

 

     Die Anwaltschaft zur Zeit der Reichsgründung 1871

 

 

Das Gesamtbild der deutschen Anwaltschaft war zur Zeit der Reichsgründung 1871 nicht einheitlich. Das war sicher darauf zurückzuführen, dass es nur unterschiedliche Berufsordnungen auf Ebene der einzelnen Bundesstaaten gab. Eine umfassende Ordnung auf Reichsebene gab es nicht. Eine einheitliche Berufsbezeichnung existierte ebenfalls nicht. Man nannte sich regional entweder Rechtsanwalt, Advokat oder gar Advokat-Anwalt. Am 01. 01.1871 entstand aus den süddeutschen Staaten und aus dem Norddeutschen Bund das Deutsche Kaiserreich.

 

Das Verlangen nach einer einheitlichen reichsumfassenden Interessenvertretung der Anwaltschaft wurde immer lauter. Schließlich wurde am 25.08.1871 der Deutsche Anwaltverein gegründet. Damit gab es zum ersten Mal eine gesamtdeutsche Interessenvertretung der Anwaltschaft. Sitz des Vereins war zunächst zehn Jahre lang Berlin, dann Leipzig und von 1932-1933/34 wiederum Berlin.

 

Nach der staatlich verordneten förmlichen Auflösung des Vereins im Jahre 1934 erfolgte nach dem Zweiten Weltkrieg eine Wiedergründung des DAV.[1]

 

[1] Vgl. Ostler, Die deutschen Rechtsanwälte

 

 

 

 

 Die Anwaltschaft heute

 

 

Anwälte

"Rechtsanwälte haben die Aufgabe, ihrem Auftraggeber mit rechtsstaatlichen Mitteln zu seinem Recht zu verhelfen. Zu diesem Zweck können sie jedermann beraten oder vertreten, soweit sie nicht zuvor in derselben Angelegenheit die Gegenseite beraten bzw. vertreten haben oder andere Vertretungsverbote – z. B. eine zur Neutralität verpflichtende vorherige Tätigkeit als Notar – bestehen.


Die parteiliche Interessenvertretung ist das berufsprägende Merkmal der Rechtsanwälte.

Im Rahmen der Beratung wird der Mandant über die Rechtslage, seine Erfolgschancen, die Möglichkeiten einer Beweissicherung und die anfallenden Kosten sowie das Kostenrisiko informiert.

Jedermann kann sich in jedem Verfahren vor Behörden oder Gerichten durch einen Rechtsanwalt vertreten lassen. In einem Strafprozess oder einem Bußgeldverfahren wird der Rechtsanwalt als Verteidiger tätig. I

 

In einem Zivilprozess besteht bei den Landgerichten, Oberlandesgerichten und dem Bundesgerichtshof die Verpflichtung, sich durch einen Rechtsanwalt vertreten zu lassen. Gleiches gilt bei anderen Verfahrensarten für die höheren Instanzen.


Das zum 1. 07. 2008 in Kraft getretene Rechtsdienstleistungs-gesetz löste das bis dahin geltende Rechtsberatungsgesetz ab.

 

Die außergerichtliche Rechtsberatung ist in größerem Umfang für Nicht-Anwälte geöffnet worden. Für den Kernbereich rechtlicher Dienstleistungen, d. h. vor allem die Vertretung vor Gericht, gilt das Anwaltsmonopol im Wesentlichen weiterhin.

Die Bundesrechtsanwaltsordnung (BRAO) führt die allgemeinen Aufgaben des Rechtsanwalts nicht abschließend auf. § 1 der BRAO definiert den Rechtsanwalt als „unabhängiges Organ der Rechtspflege“. § 3 BRAO führt aus: „Der Rechtsanwalt ist der unabhängige


Berater und Vertreter in allen Rechtsangelegenheiten.“ Konkreter nennen §§ 48, 49 und 49a BRAO die Pflichten zur Prozessvertretung im Zivilprozess unter bestimmten Bedingungen, zur Pflichtverteidigung und zur Beratungshilfe. Die Berufsordnung für Rechtsanwälte (BORA) nennt in § 1Absatz 3 folgende Aufgaben des Rechtsanwalts: „... seine Mandanten vor Rechtsverlusten zu schützen, rechtsgestaltend, konfliktvermeidend und streitschlichtend zu begleiten, vor Fehlentscheidungen der Gerichte und Behörden zu bewahren und gegen verfassungswidrige Beeinträchtigung und staatliche Machtüberschreitung zu sichern.“

Abstrakt können Sinn und Aufgaben der anwaltlichen Tätigkeit wie folgt aufgegliedert werden:

-Rechtsgestaltung (Kompliziertere, aber für die Wirtschaft bedeutende Rechtsgeschäfte würden ohne anwaltliche Hilfe in der Vertragsgestaltung oftmals unterlassen werden. Umstritten ist hingegen die Einbeziehung von Anwälten durch Ministerien für die Erarbeitung von Gesetzentwürfen)

-Rechtssuchende über Ansprüche und Gegenansprüche aufzuklären.


-Entlastung der Justiz durch Abraten von der Klagerhebung bei mangelnder Erfolgsaussicht (Filterfunktion für die Gerichte), außergerichtliche Streitbeilegung durch Abschluss von außergerichtlichen Vergleichen (damit auch zum Rechtsfrieden beizutragen), Mediation (in diesen Fällen wird der Anwalt als Mediator und nicht als Vertreter einer Partei tätig)

-außergerichtliche Durchsetzung von Ansprüchen (durch anwaltliche Aufforderungsschreiben, Vertragsstrafen). Vertragsstrafen und die Kostentragungspflicht des Anspruchgegners leisten dabei auch einen Beitrag zur Prävention vor zukünftigen Rechtsverstößen

-Verfahrenshilfe für die Prozesse vor den Gerichten zu leisten(Sachverhaltsklärung und Ordnen der Darlegungen, Rechtsausführungen)

-Prozesshandlungen vorzunehmen (zum Beispiel: Einreden zu erheben, Vergleiche abzuschließen, Rechtsmittel einzulegen)

-durch Mitarbeit in den berufsständischen Organisationen, Beiträge in Fachzeitschriften oder Kommentaren zur Fortbildung der Rechtsauslegung, insbesondere der Rechtsprechung, und zur Gesetzgebung beizutragen."

 

 

Quelle: Rechtsanwalt - https://de.wikipedia.org 6.4.2015

 

 

 


 

 

 

 

 

Über 130 Jahre AAV / 200 Jahre Rheinische Anwaltschaft [PDF, 159 KB]