Das Amtsgericht nach dem

 30. Januar 1933

 

 

 

Das Amtsgericht Düren

in der Zeit des Nationalsozialismus

 

"Im Oktober 1929 litt die deutsche Bevölkerung schwer unter dem so genannten "Schwarzen Freitag".

 

Verarmung und Arbeitslosigkeit waren an der Tagesord- nung und führten zur politischen Radikalisierung der Be- völkerung.

Die dadurch entstehende Unzufriedenheit in der Bevöl- kerung und die vielen einzelnen Staatskrisen schwächten die neue Republik und verhalfen den Nationalsozialisten zu den unheilvollen Wahlergebnissen, die mit der sog. „Machtergreifung“ Adolf Hitlers am 30. Januar 1933 in eine Diktatur mündeten.

 

Sofort hatte das Gesetz zur Behebung der Notvon Volk und Reich (RGBl.Nr.25 vom 24.03.1933) die Gewalten-teilung beseitigt, indem der Reichstag der Reichsre-gierung die Gesetzgebungsgewalt übertrug.

 

Das "Gesetzzur Überleitung der Rechtspflege auf das Reich" (RGBl I. S. 91) hatte das Ziel, die einzelnen Justiz-ministerien aufzulösen und in Berlin zu zentralisieren (Gleichschaltung der Länder). Die bisherigen landes-beamteten Richter wurden ab sofort Reichsbeamte).[1]

 

Viele Politisch unliebsame und jüdische Richter und Staatsanwälte wurden nach 1933 aus dem Dienst entlassen und durch angepasste oder regimetreue Juristen ersetzt. Rechtsprechung erfolgte weitgehend auf der Grundlage der nationalsozialistischen Ideologie (RGBl.I.S.71-90).

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[1]Bundesarchiv Bild 102-15347, Berlin, Ernennung AdolfHitlers zum Reichskanzler; Vgl. Strauch, Rheinische  Gerichte, Seite 161.

 

 

 

 

 

Doppelverdiener nicht erwünscht

 

 

Der Frauenanteil u.a. bei den Angehörigen des Dürener Amtsgerichts war zwischen 1933 und 1942 besonders niedrig. Dafür gab es hauptsächlich politische Gründe:

 

„Schon zu Beginn der 1930erJahre wurde der Zugang von Frauen zu öffentlichen Ämtern weiter eingeschränkt. Davon waren auch die in der Justiz beschäftigten Frauen betroffen. Zunächst bestimmte § 1 des Gesetzes über die Rechtsstellung der weiblichen Beamten vom 30. Mai 1932 ( RGBl. I, S.245 ff), dass verheiratete weibliche Reichsbeamtejederzeit auf ihren Antrag aus dem Beamtenverhältnis zu entlassen seien und die Entlassung auch ohne Antrag verfügt werden könne, wenn die wirtschaftliche Versorgung der weiblichen Beamten nach der Höhe des Familieneinkommens dauernd gesichert erscheint. Damit kam – wie auch schon in der Notverordnung von 1923 und 1925 –erneut der Gesichtspunkt der „Doppelverdiener“ zum Tragen.

 

Während des Nationalsozialismus erstarkte die Vorstellung, dass die Justiz allein Sache der Männer sei. Diese Meinung setzte sich bald ab 1933 in der Fachpresse durch. Die Männlichkeitsidee der NSDAP führte dazu, dass Frauen alsbald das passive Wahlrecht verloren und in allen Bereichen aus dem öffentlichen Leben verbannt wurden. Artikel 109 und Artikel 128 der Weimarer Verfassung behielten zwar im Dritten Reich ihre Gültigkeit, sie wurden jedoch faktisch durch Führerbefehle außer Kraft gesetzt.

 

Im Dritten Reich wurden die Juristinnen, die bereits eine Planstelle innehatten, in die freiwillige Gerichtsbarkeit abgedrängt. Neuanstellungen gab es nicht mehr. Juristinnen wurden ab Ende 1935 auch nicht mehr in der Rechtsanwaltschaft zugelassen Die Berufssituation für Juristinnen verbesserte sich während des zweiten Weltkrieges infolge des immer größer werdenden Mangels an männlichen Juristen.

 

Nun wurden wieder weibliche Juristen in der freiwilligen Gerichtsbarkeiteingesetzt. Zur Rechtsanwaltschaft wurden sie jedoch weiterhin nicht zugelassen. Erst mit der Kontrollratsproklamation Nr. 3 vom 20.10.1945 wurden die alten Bestimmungen aufgehoben.“[1]

 

  

 

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[1]Vgl. Anders, Gräfin von Schwerin-Steinhauser, “Juristinnenim Justizdienst seit dem ersten Weltkrieg“, S.225f;   Fotos: Otto Gerber, Düren, 1937.


Alles reine Männersache...

 

 

Das Erbgesundheitsgericht in Aachen

 

Oberlandesgericht Köln als Erbgesundheitsobergericht für Beschwerden zuständig.

 

 

„Auf Grund der rassehygienischen Vorstellungen des Nationalsozialismus erging 1933 das Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses (RGBl. I.S.529-531 v.14.07.1933).

 

Da das Verfahren fürsorglichen Charakter trug, folgte es dem amtsgerichtlichen Entmündigungsverfahren. Deshalb waren die Erbgesundheitsgerichte den Amtsgerichten angegliedert“.

 

Das Gericht entschied in nicht-öffentlicher Sitzung mit einem Amtsrichter und 2 Ärzten. Über Beschwerden entschied das Oberlandesgericht Köln als Erbgesundheitsobergericht.

 

Im Oberlandesgerichtsbezirk Köln gab es in den Landgerichtsbezirken 5 zentrale Erbgesundheitsgerichte - u.a. das Amtsgericht Aachen für den Landgerichtsbezirk Aachen.  [1]

 

 

 

Anerbengericht in Düren

                                                  

Am 02.02.1934 wurde auch beim Amtsgericht Düren durch das Reichserbhofgesetz vom 29.09.1933 ein Anerbengericht eingerichtet.

 

„Zuständig war das Anerbengericht, in dessen Bezirk sich die Hofstelle des Erbhofs befand.

Es war mit einem Vorsitzenden und zwei bäuerlichen Beisitzern, die Eigentümer eines Erbhofes sein mussten, besetzt. Der Vorsitzende und sein ständiger Stellvertreter wurden von der Landesjustizverwaltung ernannt, und zwar regelmäßig auf die Dauer des Kalenderjahres. Sie sollten mit den Erbgewohnheiten der bäuerlichen Bevölkerung vertraut sein“.[2]

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[1] Vgl. Strauch, RheinischeGerichte von 1933-1960, Seiten 183-187.

[2]  Reichserbhofgesetz vom 29. September1933, S. 685, geändert durch die Verordnung vom 30.September 1943 (RGBl.I, S.549, S. 564).

 

 

 

Juristen einmal anders….

„Gambriella-Revue“

 

Jurist Fritz Schneiders und Maler Hans Beckers

 

 

 

 

Hin und wieder tat sich in diesen stürmischen Zeiten auch eine originelle, private Gesellschaft auf, viele lustige Freunde, die zusammen kamen, um in übermütiger Stimmung den Alltag für ein paar fröhliche Stunden zu vergessen. Zum Beispiel die Gruppe "Gambriella-Revue", die kabarettartig unter dem Maler Hans Beckers und dem Dürener Juristen Fritz Schneiders (unten links) das Zeitgeschehen glossierte.[1]

 

Fritz Schneiders war bis in die 1960er Jahre Richter beim Amtsgericht Düren und zuletzt als Oberamtsrichter Vorsitzender des Schöffengerichts. Nach seiner Pensionierung amtierte Schneiders noch viele Jahre lang als Notarvertreter bei mehreren Dürener Notaren. Auf seine große Erfahrung und auf sein enormes Wissen über die Geschichte des Gerichts konnten die Veranstalter am Tag der offenen Tür (26.09.1986) im Amtsgerichtgebäude und in der Gefängnisverwaltung in vieler Hinsicht zurückgreifen.

 

[1]Richartz, Düren –so wie es war, Seite 87, Bild 143; Chronik des Amtsgerichts Düren, 2013.

 

 

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Politisch unliebsame und jüdische Richter und Staats-anwälte wurden nach 1933 aus dem Dienst entlassen und durch angepasste oder re-gimetreue Juristen ersetzt. Rechtsprechung erfolgte weitgehend auf der Grundla-ge der nationalsozialistischen Ideologie (RGBl.I.S.71-90).

 

 

Foto:

Berlin, 30.Januar 1933.

Nach seiner Ernennung zum Reichskanzler verlässt

Adolf Hitler im Auto die Reichskanzlei.

 

 

 

Die Bezeichnung  "Preußisches Amtsgericht"

" wurde 1934 von den Nationalsozialisten abgeschafft. Von nun an nannte man die Dürener Behörde nur noch „Amtsgericht Düren.“

 

Der spätere Amtsge-richtsdirektor Dr. Ewald Alertz trug den Titel „Preußischer Assessor“ noch bis ins Jahr 1934+. Die Führung des Titels

„ Preußischer Assessor“ wurde 1934 endgültig verboten.

 

 

 

 Folgende Richter waren Anfang/Mitte der 1930er Jahre im Amt:

Direktor A. Schmitz und die Amtsgerichtsräte Schneiders,

Dr. Odendahl, Popp, Wirtz, Holtz, Küster, Mundorf

(Jesuitengasse 11),

 

Kaußen, Foerster, Hendrichs und

Dr. Schroeder

(Pletzer-gasse 22). 

 

Dürener Adressbuch 1936

 

 

 

 

 

 

 

Der Frauenanteil im Amtsge-richt war zwischen 1933 und 1942 besonders niedrig.

 

 

 

 

Fotos:

Kollegen aus den 1930er Jahren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Foto: Amtsgericht Aachen – auch für den Amtsgerichts-bezirk Düren zuständig -  im Jahre 1933.

 

 

Im Oberlandesgerichtsbezirk Köln gab es in den Landgerichtsbezirken 5 zentrale Erbgesundheits-gerichte - u.a. das Amtsgericht Aachen für den Landgerichtsbezirk Aachen.