Jugendgericht und Jugendschöffengericht

Beim Amtsgericht Düren fallen im Durchschnitt jedes Jahr rund 1000 Strafverfahren gegen Jugendliche (14 bis 17Jahre) und Heranwachsende (18 bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres) an. Heranwachsende sind zwar volljährig, kommen aber bei Reifeverzögerungen oder angesichts ihrer persönlichen Entwicklung in den „Genuss“ des Jugendstrafrechts.

 

 

Sitzungssaal des Jugendschöffengerichts
Hier tagt das Jugendschöffengericht

 

 

Zuständig sind die Jugendrichter/innen. Die Juristen in Düren verhandeln alle Jugendschöffenverfahren aus dem gesamten Kreis Düren, weil im Amtsgericht Jülich die Jugendsachen lediglich beim Einzelrichter stattfinden. Die jüngste Statistik  der Dürener Jugendabteilung weist über 600 Verfahren vor dem Einzelrichter und über 270  Jugendstrafverfahren des Jugendschöffengerichts aus (Stand November 2014).

 

Wer beim Schwarzfahren im Bus oder bei der Tour mit dem „frisierten Mofa“ erwischt wird, macht sich ebenso strafbar wie ein Ladendieb, ein Brandstifter oder jemand, der gegen das Betäubungsmittelgesetz verstößt. Während mancher Diebstahl zuweilen als vermeintliche „Mutprobe“ bagatellisiert wird, lässt sich eine Schlägerei – möglicherweise unter Verwendung eines gefährlichen Gegenstandes – nicht als (gefährliche)Körperverletzung wegdiskutieren. In solchen Fällen ist das Jugendgericht zuständig. Alle vorsätzlichen Delikte mit Todesfolge sind dann Sache der Jugendstrafkammer beim Landgericht Aachen.

 

Bei Ersttätern, die mit einem kleineren Delikt oder einem „Dumme-Jungen-Streich“ auffallen, kommt es vor, dass die Staatsanwaltschaft den Täter verwarnt, ansonsten aber von einem einmaligen Ausrutscher ausgeht und das Verfahren einstellt. Deshalb landet längst nicht jede Akte beim Amtsgericht in Düren.

 

Beim Jugendstraferfahren steht der Erziehungsgedanke im Vordergrund. Deshalb folgt der Prozess auch so schnell wie eben möglich nach einer Tat. An dem Verfahren beteiligt ist auch die Jugendgerichtshilfe der Stadt und des Kreises Düren. 

Die Sozialarbeiter/innen oder–pädagogen beleuchten familiäre Hintergründe und helfen bei Beantwortung der Frage, ob die Anwendung des Jugendstrafrechts erzieherisch sinnvoll ist. Eltern oder Erziehungsberechtigte der Angeklagten haben übrigens bei Jugendstrafverfahren das Recht, an den Sitzungen

teilzunehmen und eigene Erklärungen abzugeben.

 

Ebenfalls beim Jugendschöffengericht werden so genannte Jugendschutz-Verfahren gegen Erwachsene verhandelt. Dabei stehen Taten im Mittelpunkt, bei denen Jugendliche etwa bei Missbrauchsfällen die Geschädigten sind. In diesen Prozessen greift natürlich das normale Strafrecht, und das Jugendschöffengericht kann eine Haftstrafe bis zu vier Jahren verhängen. Bei längeren Freiheitsstrafen ist dann wieder die Kammer beim Landgericht zuständig.

 

Sitzungstage des Jugendgerichts in Düren sind montags und donnerstags. Das Jugendschöffengericht kommt montags und mittwochs zusammen. Ein Großteil der Verhandlungen ist zum Schutz der jungen Leute nicht öffentlich.

 

Das Jugendschöffengericht besteht jeweils aus dem hauptamtlichen Richter oder Richterin,  die als Volljurist den Vorsitz haben.  Ihnen zur Seite stehen zwei Schöffen, eine Frau und ein Mann,  die als Laienrichter bei der Urteilsfindung gleiches Stimmrecht wie der Jurist haben.

 

Jugendliche und Heranwachsende, die mit einer Strafe von mindestens acht Monaten rechnen müssen, haben Anspruch auf einen Pflichtverteidiger. Das gilt auch bei Angeklagten, für die Untersuchungshaft oder die Unterbringung in einer Haftvermeidungseinrichtung angeordnet wird.

 

(Quelle: Hartmut Prüss, Niederzier, Foto H.-Peter Müller)