Grundsteinlegung und

Richtfest an der  

August-Klotz-Straße 12-14

  

 

 

Grundsteinlegung fand ohne den Landgerichtspräsidenten statt

 

Amtsgerichtsdirektor Arthur Schmitz (Foto) hatte die langen Vorbereitungen gründlich abgeschlossen. Zufrieden lehnte sich der 62-Jährige zurück. Die Einladungen waren geschrieben, die Presse informiert. Alles wartete auf den großen Tag. Einer würde allerdings bei den Feierlichkeiten am 09. Mai 1938 fehlen: Der Präsident des Landgerichts, Karl Hermanns, war leider aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage, an der Grundsteinlegung für den Neubau des Amtsgerichtsgebäudes an der Dürener August-Kotz-Straße teilzunehmen. Mit Bedauern schrieb Schmitz dem Präsidenten des Oberlandesgerichts, Herrn Dr. Alexander Bergmann, am 23. April1938, dass man mit der Anwesenheit des Landgerichtspräsidenten wohl nicht rechnen könne. Amtsgerichtsdirektor Schmitz, der die Justizbehörde bereits seit 1927 leitete, hatte die Urkunde zum Festakt schon seit einiger Zeit fertigstellen lassen. Sie war auf Pergamentpapier hergestellt und wies kunstgerechte Initialen auf, in denen sowohl das Hoheitszeichen, die Embleme der Justiz und das Stadtwappen von Düren enthalten waren.

 

Die Urkunde sollte bei der Zeremonie in einer Büchse oder in einem Einschlusskasten verschlossen werden. Der Gang der Veranstaltung hatte man in allen Einzelheiten vorbereitet; nichts sollte dem Zufall an diesem ehrwürdigen Tag überlassen werden. Direktor Schmitz würde die 1. Rede halten und die Erschienenen nach einer kurzen Begrüßung auf die Bedeutung des Neubaus und seine Bestimmung für die Pflege des Rechts hinweisen.

 

Danach sollte der bauleitende Baurat auf die technischen Dinge rund um das Gebäude eingehen. Schließlich würde der Oberlandesgerichtspräsident, Dr. Alexander Bergmann, den Grundsteinlegungsakt mit einer kurzen Ansprache vollziehen und den Einschluss der vorher zur Verlesung gebrachten Urkunde vornehmen, indem er mit drei Hammerschlägen unter dem Weihespruch „ Recht bleibt Recht, und wer es auch hat, das zeigt sich am Ende“ den Einschluss bekräftigt.

 

So war es nicht verwunderlich, dass am 09. Mai des Jahres 1938, zwischen 16.00 und 17.00 Uhr, alle vorgeplanten Abläufe ordnungsgemäß funktionierten.[1]

 

 

[1] Vgl. Landesarchiv NRW Gerichte Rep. 255/387/103-104; Foto:Privatarchiv Otto Gerber, Düren, 1937.

  

 

 

Die Grundsteinlegung 1938 

 

Der Bauherr
Das Bauschild - aufgestellt 1937

 

 

Filmsequenz "Baustelle" am Hoeschplatz 1938

                                                     

 

                  

 

Grundsteinlegung

09. Mai 1938

 

Filmsequenz Grundsteinlegung am 9.5.1938

 

 

 

Kollegen 9.5.1938
Kollegen bei der Grundsteinlegung 9.5.1938

 

 

 

Grundsteinlegung 09.05.1938
09.05.1938: Der Grundstein zum neuen Gebäude wird gelegt.

 

        

 

 Die Urkunde zur Grundsteinlegung

 

       Video: Verlesen der Urkunde/Grundsteinlegung 9. Mai 1938     

 

 

 

 

Den Grundstein zum neuen Amtsgerichtsgebäude legte am 09. Mai 1938 in Anwesenheit der Politiker und Vertreter der örtlichen Staats- und Gemeindebehörden namens der Reichs-justizverwaltung der Oberlandesgerichtspräsident

Dr. Alexander Bergmann (oben) aus Köln. 

 

 

Er sagte unter anderem:                       

 

Das Deutsche Volk erbaute im sechsten Jahre nationalsozialistischer Regierung nach seiner Wiedererneuerung und nach machtvollem Aufstieg unter seinem Führer und Reichskanzler Adolf Hitler der Stadt und dem Bezirke Düren dieses Haus.

 

Es ist bestimmt, den auf fester Rechtsgrundlage in einem Reiche für alle Zeitzusammengeschlossenen deutschen Volksgenossen zu ihrer Befriedung zu dienen und zur Wahrung einer starken Staatsautorität.

 

So strebe denn der Bau hoch zu einer Stätte unbeirrbarer gerechter Anwendung des Rechtes und zu einem Hort wahrhaft volksnaher Rechtspflege. Möge in ihm nur deutsche Männer ihres Amtes walten, die von der hohen Aufgabe ihres Berufs zutiefst durchdrungen sind“

 

Die Ausführung des Baues lag in den Händen der Preußischen Hochbauverwaltung.

Örtlicher Bauleiter war  Regierungsbaurat Rudolf Schumacher aus Düren.

 

 

 

Richtfest am 25.02.1939

 

 

 

Filmsequenz: Das Amtsgericht am 25.02.1939

 

 

 

Einladung an den Oberlandesgerichtsrat Schommer

 

 

Einladung zum Richtfest 25.02.1939
Kopie der Einladung an den Oberlandesgerichtspräsidenten Dr. Alexander Bergmann, 1939.
Der Zimmermann
Der Zimmermann - Gleich wird er das Glas in die Tiefe werfen...

 

 

 

 

 

Schlusssteine am Portal –

Erst im 2. Anlauf mit den heutigen Wappen

 

 

 

 

Bei einer Besichtigung des Gerichtsgebäudes am 27. Juni 1939 wurde seitens der Ministerialkommission festgestellt, dass die drei Schlusssteine des Haupteinganges je ein Relief des Reichsadlers und der Wappen des Rheinlandes und der Stadt Düren erhalten sollten. Der Oberlandesgerichtspräsident war damit nicht ganz glücklich und machte den Vorschlag, in der Mitte den Reichsadler, links das Preußische Wappen und rechts den Jülicher Löwen (das Wappen des Herzogtums Jülich aus dem Mittelalter) anzubringen. Schließlich einigte man sich auf folgende Modelle für das Hauptportal:

 

Links: Pr. Wappen und Jülicher Löwe vereint, in der Mitte Reichsadler und rechts nur Jülicher Löwe.

 

Bildhauer Corr aus Aachen wurde mit der Fertigung der Schlusssteine in Muschelkalkstein beauftragt; die Kosten beliefen sich auf ca. 2400,-- Reichsmark.

 

Beim Reichsadler wurde 1939 unten das Hakenkreuz eingearbeitet, das nach dem Kriege wieder entfernt wurde. Die Figuren behielten Platz und Form bis indie heutigen Tage.[1]

 

[1]  Fotos: Archiv Amtsgericht Düren; Vgl. Landesarchiv NRW Gerichte Rep. 255/388/43.

 

 

 

Künstlerische Medaillons im Eingangsbereich des Amtsgerichts

 

Kammergerichtsrat Könen in Düren eher unbekannt

 

 

Ein Schreiben des Amtsgerichtsrats Schmitz vom 12. Juli 1940 an den Präsidenten des Oberlandesgerichts Köln, Dr.Bergmann, verdeutlicht, wie sehr man umein künstlerisches Ambiente im Neubau des Amtsgerichts Düren an der August-Klotz-Straße bemüht war.

 

Der bauleitende Beamte, Herr Baurat Schumacher, hatte den Direktor des Amtsgerichts, Arthur Schmitz   umAuskunft gebeten, was in den beiden Medaillons in der neuen Eingangshalle des Neubaus am zweckmäßigsten dargestellt werden sollte. Diese Medaillons, die einen Durchmesser von etwa 70-90 cm hatten, befanden sich 1940 in der Eingangshalle.

 

Es war in Erwägung gezogen worden, in das eine Medaillon Kammergerichtsrat Koenen darzustellen. Für das zweite Medaillon wünschte Schumacher die Angabe einer weiteren Persönlichkeit, die sich um die Dürener Justiz verdient gemacht hatte.

 

Für die eventuelle Darstellung Koenens war Schmitz wegen des eher geringen Bekanntheitsgrades in der Dürener Bevölkerung nicht zu gewinnen. Er war eher für Persönlichkeiten, die außerhalb von Düren, aber noch im rheinischen Bezirk, ihre Verdienste erworben hatten. Seiner Meinung nach aber sollte man auf die Darstellung von Menschen ganz verzichten und stattdessen Justizembleme u.ä. in die beiden Medaillons einfassen.

 

Bereits wenige Tage später, am 19. Juli 1940, hielt sich der Chefpräsident bei Gelegenheit im Amtsgericht Düren auf und unterzog die Angelegenheit einer Prüfung. Danach wurde die ganze Sache durch Verfügung vom 23. Juli 1940 ad acta gelegt und der Vorgang als erledigt betrachtet.[1]


[1] Vgl. Landesarchiv NRW Gerichte Rep. 255/388/140; Foto:Rechtsanwalt Otto Gerber, 1937.

 

 

 

 

                        Anmerkung der Redaktion:

 

Alle Fotos/Filme  über die Grundsteinlegung 1938  und vom Richtfest 1939 stammen aus der Kamera von Herrn Rechtsanwalt Otto Gerber, der in jenen Jahren in der Wirtelstraße 35 a, Düren, wohnte und  später  lange Jahre eine Kanzlei in der Lessingstraße in Düren unterhielt.  Anfang  der  1980er Jahre ist Herr Gerber als Rechtsanwalt nicht mehr aufgetreten.

 

Wohn-und Geschäftshaus Gerber
Wohn-und Geschäftshaus - Hut-und Pelzgeschäft - Wirtelstraße 35 a, Düren.

  

 

 

 

Zeit  Fotos: Herr Rechtsanwalt Otto Gerber  (zuletzt wohnhaft Lessingstraße   13, Düren) Düren 1937-1939  

 

 

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Der Grundstein wird eingelassen.

 

 

Die Grundsteinlegung und das  spätere Richtfest für das neue Gerichtsgebäude an der August-Klotz-Straße fanden  zu einer Zeit statt, in der die Justiz in Deutschland in Folge der national-sozialistischen Machtergreifung am 30.01.1933 mit Gesetzen konfrontiert wurde, die "staatliches Unrecht förderten und auch forderten".

 

Direktor Karl Schmitz 1938
Amtsgerichtsdirektor Schmitz 1938

 

 

Die allgemeine Verstrickung der Justiz in national-sozialistisches Unrecht ist vielfach untersucht und publiziert worden. 

Untersuchungen betreffend das Amtsgericht Düren liegen bisher nicht vor.
Daher soll auf dieser Homepage auch nicht weiter auf dieses Thema eingegangen werden.
 

Die Urkunde wird verlesen

 

Die Kapsel
Die Kapsel

 

                Die Weihe

 

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           Richtfest

Richtfest 25.2.1939
Richtfest am 25-02.1939
Richtfest 1939

 

Rohbau Gefängnis 1938
Rohbau/Gefängnis 1938

 

 

Beim Amtsgericht Düren waren Ende der 1930er Jahre 11 Richter,

17 Rechtspfleger,

9 Beamte des mittleren Dienstes sowie

26 Angestellte und Wachtmeister/Ge-

fängnispersonal

beschäftigt.