Nachtbriefkasten

Morgens die Ersten, abends die Letzten

 

 

10 Mitarbeiter und zwei Mitarbeiterinnen der Justizwachtmeisterei beim Amtsgericht Düren  sorgen für Sicherheit, weisen Ratsuchenden den Weg und kümmern sich auch  um wichtige Kleinigkeiten. Begrüßungskomitee, Helfer und „Mädchen für alles“ -auch sonn- und feiertags.  

 

 

Auf den ersten Blick bilden sie das „Begrüßungskomitee“ des Amtsgerichts, bei näherer Betrachtung leisten sie unauffällig und zuverlässig wichtige Beiträge für unzählige Abläufe im Alltagsbetrieb des Dürener Amtsgerichts: 

 

10 Männer und zwei Frauen in der Wachtmeisterei arbeiten für Sicherheit und kümmern sich als erste Ansprechpartner um die Besucher.  Gewissermaßen „hinter den Kulissen“ sorgen sie dafür, dass Prozessbeteiligte, die als Angeklagte oder Zeugen aus der Haftzelle bei Gericht vorgeführt werden, gut bewacht in den Verhandlungssaal und anschließend wieder in die Zelle kommen.

 

Ein Mitarbeiter:

„Man kann uns mit ganz kleinen Rädchen vergleichen“, sagt der 50-Jährige schmunzelnd, „aber auch die müssen sich richtig drehen, damit das Uhrwerk funktioniert.“ Gleichzeitig macht er deutlich, dass seine Kollegen und er keineswegs „Gerichtsdiener“ sind. Solche gab es allenfalls ehemals im Fernsehen beim Königlich Bayrischen Amtsgericht. Vielmehr verstehen sich die  Männer und die beiden Frauen als Service-Mitarbeiter. Immer wieder  kommen Leute ins Haus, die zwar wissen welche  Hilfe sie benötigen, aber keine Ahnung haben , wer dafür zuständig ist. Die Wachtmeisterei, zugleich auch Telefonzentrale, weist den Weg.

Ganz nebenbei werden von dort aus die Monitore der Überwachungskameras beobachtet. Ein Kollege ist für Hausmeisterdienste abgestellt, was etwa in den Wintermonaten sehr zeitintensiv ist. So hat das Gerichtsgebäude nicht nur lange Gehwege, sondern auch einen großen Parkplatz. Bei Eis und Schnee eine echte Herausforderung.

 

Sicherheitsschleuse im Eingangsbereich

 

 

Wichtiges Aufgabengebiet ist die Sicherheit, die bereits bei der Kontrolle am  Eingang erkennbar wird. Auch wenn die Wirklichkeit im Vergleich zu Gerichtsshows im Fernsehen anders aussieht, so kommt es zu weilen vor, dass die Justizwachtmeister in den Gerichtssälen vorsorglich präsent sind. Glücklicherweise kommt es nur selten vor, dass ein Richter oder Staatsanwalt von einem Verurteilten bedroht wird – dann sind die Leute mit der blauen Uniform auch schon mal auf dem Parkplatz anzutreffen. Sicher ist eben sicher!

 

Im Übrigen hat jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter des Gerichts Gelegenheit, im Büro direkt Alarm in der Wachtmeisterei auszulösen. Das gilt natürlich erst recht für die Gerichtssäle. Hin und wieder gibt es bei benachbarten Gerichten große Prozesse mit 20 und mehr Angeklagten. Dann helfen die Dürener Mitarbeiter der Wachtmeisterei dort aus, wie auch im umgekehrten Fall Unterstützung von anderen Amtsgerichten notfalls in Düren angefordert wird.

 

Die Mitarbeiter der Wachtmeisterei  sind morgens die Ersten und abends die Letzten im Gerichtsgebäude. 

Danach gilt für einige Rufbereitschaft bis 21 Uhr sowie Dienst und Rufbereitschaft am Samstag sowie an Sonn- und Feiertagen. Denn wenn nach einer Festnahme die Frage nach dem Haftbefehl ansteht, muss auch die Wachtmeisterei dienstbereit sein.

Wer  einmal  vorübergehend in einer gerichtseigenen Zelle   (links)  untergebracht wird und dort mit Essen oder Getränken versorgt werden muss, der ginge ohne die Wachtmeisterei leer aus. Nicht zu unterschätzen ist dabei auch die Sicherheit der Gefangenen vor sich selbst, denn häufig besteht in solchen Situationen Selbstmordgefahr.

 

Zu den Aufgaben gehören aber auch das Zustellwesen von Ladungen und die Werttransporte. Ferner kümmert sich die Wachtmeisterei über den Postein- und -ausgang sowie um die elektronische Postbearbeitung, die mit der Zeit zunehmend an Bedeutung gewinnt.

 

Text: Hartmut Prüss, Niederzier, 2012/2013

  

 

 

                                Berufsbild

 

Justizwachtmeister/innen sind bei den  Gerichten und bei den Staatsanwaltschaften tätige Beamte und Beamtinnen  des einfachen Dienstes oder mit diesen Aufgaben betraute Angestellte.

 

Ausbildung:

Die Ausbildung der Justizwachtmeister obliegt den Ländern

und ist aus diesem Grunde nicht bundesweit einheitlich. Überall gleich geregelt ist die Dauer der Ausbildung, sie beträgt 6 Monate. Sie umfasst dabei sowohl theoretische als auch praktische Ausbildungsinhalte. Je nach Land wird dabei die theoretische Ausbildung entweder an Gerichten und Staatsanwaltschaften oder an Bildungseinrichtungen der Justiz vermittelt.

 

8 Wochen Lehrgang im Ausbildungszentrum der Justiz NRW in Monschau und an Gerichten und Staatsanwaltschaften.
4 Wochen in einer JVA (z.T. mit
Schießausbildung)

 

Ausstattung im Dienst:

 

                                                                         Ausstattung im Detail:

Handschellen
Handschellen in der Wachtmeisterei


            (Foto: Redaktion)
Stationäre Metalldetektoren in allen Gerichten und Staatsanwaltschaften, zusätzlich Handsonden, Funkgeräte für alle Bediensteten.
Ausstattung für alle: Handfesseln, zum Teil   Fußfessel, Führkette, Schlagstock.

 

 

 

Nach jahrelangen Vorbereitungen sind die neuen tiefblauen Uniformen, die denen der Polizei ähneln, nun im Einsatz. Der Unterschied zur Polizeiuniform: Es ist ein großer Schriftzug "JUSTIZ" auf der Arbeitskleidung zu erkennen. Auf den Ärmeln prangt anstatt des Polizeisterns das Landeswappen.In Nordrhein-Westfalen wurde zudem auf die Anbringung von Dienstgradabzeichen verzichtet. Bereits seit 2009 wurde der Wechsel von der jahrzehntelang getragenen grünen Dienstkleidung zur neuen blauen Uniform vorbereitet

 

 Bonner Generalanzeiger, Artikel vom   06.04.2013 jeo
 

 

 
Quelle:BEWERNICK GmbH Heinkelstr. 9,30827 Garbsen

 

Ab 01.01.2015 tragen die Wachtmeister/innen dieselbe blaue Dienst-kleidung wie die Polizei, mit dem NRW-Wappen und dem Schriftzug "Justiz".