Januar 1934 -

Der Standort für das neue Amtsgericht

 

Stadt machte neues Tauschangebot

 

 

Amtsgerichtsdirektor Arthur Schmitz (Foto) ging an diesem kalten Wintertag nervös in seinem Büro auf und ab. „Wo bleibt der denn?“ murmelte er vor sich hin. Endlich kam der Kanzleiangestellte mit dem Schreiben an den Landgerichtspräsidenten Karl Hermanns zur Unterschrift in sein Zimmer. „Danke, Sie können gehen“ sagte der 58-jährige Amtsgerichtsrat, der seit 10 Jahren beim Gericht in der Jesuitengasse tätig und seit 1927 auch Leiter der Behörde war, höflich. „Aber bleiben Sie in Bereitschaft, das Schreiben muss heute noch raus!“ ergänzte er hastig.

 

Der Angestellte, dem man die schlechte Beheizung des viel zu eng bemessenen Schreibbüros irgendwie ansah, schloss die Tür hinter sich zu, nicht ohne seiner Bereitschaft Ausdruck zu verleihen, dass er dem Wunsch seines Dienstvorgesetzten unbedingt Folge leisten wolle. Ein durchdringendes „Jawoll“ klemmte sich zwischen ihm und der schäbigen Tür.

 

Amtsgerichtsrat Schmitz setzte sich seine Lesebrille in einer fast feierlichen Zeremonie auf und las sich sein Diktat mit dem Aktenzeichen Gen. VI 9 vom 17.01.1934 noch einmal gründlich durch. Die Stadt hatte vor einigen Wochen zum bisherigen Tauschangebot (Bauplatz Viktoria-/Frankenstraße) ein neues Angebot mit einem Grundstück am Hoeschplatz vorgelegt, das dem Amtsgerichtsdirektor sehr zusagte.

 

In dem Schreiben an den Landgerichtspräsidenten Karl Hermanns machte Schmitz dann auch mehr als deutlich, dass er dem Hoeschplatz den absoluten Vorrang vor dem auch von der Stadt Düren vorgeschlagenen Standort Viktoriastraße/Frankenstraße einräumte.

 

Der  Bauplatz an der Viktoriastraße/Frankenstraße war überhaupt nicht nach dem Geschmack des Amtsgerichtsdirektors. Abgesehen davon, dass diese Ansicht der allgemeinen Meinung der ortskundigen Gerichtseingesessenen unzweifelhaft entsprechen dürfte - wenn man sie um ihre Meinung fragte - war die Bevorzugung des Bauplatzes am Hoeschplatz in vielen Einzelheiten zu belegen. Zum Beispiel hatte der Platz an der Viktoriastraße/Frankenstraße überhaupt keine günstige Verkehrslage. Von der Stadtmitte ( Markt ) lag er verhältnismäßig weit ab, so dass namentlich die Stadteinwohner aus dem Norden und Westen bedeutend weitere Wege machen mussten.


Dagegen lag der Bauplatz am Hoeschplatz viel besser zur Stadtmitte mit ihrem Verkehrszentrum. Die Entfernung betrug etwa 5 Minuten zum Markt – und zum Bahnhof konnte man mit der Straßenbahn oder in einem 10minütigen Fußmarsch gelangen. Auch würde sich das neue Gebäude mit dem nach hinten gelegten Gefängnis in den Gebäudekomplex mit Museum, Marienkirche und Stadttheater gut einpassen.

 

Schmitz schob seine Brille etwas höher und setzte seine Unterschrift unter das fehlerfreie, dreiseitige Schreiben. Er war sicher, dass man seine Meinung beim Land- und Oberlandesgericht teilen würde und wies den Kanzleiangestellten, der auf einen Ruf das Büro umgehend betrat, an, das Schreiben an den Landgerichtspräsidenten sofort abzusenden. „ Das Schreiben muss heute noch abgesandt werden, sorgen Sie dafür!“ sagte Schmitz mit dem Ausdruck eines zufriedenen Menschen. „Freuen Sie sich, bald sind wir hier raus!“ schob er schnell in Richtung seines Schreibers nach, der diese eher persönliche Note seines Vorgesetzten sichtlich genoss. Das Schreiben ging dann auch am folgenden Tag beim Landgericht Aachen ein.

 

Am 10.02.1934 schrieb der Landgerichtspräsident Karl Hermanns an den Oberlandesgerichtspräsidenten Dr. Alexander Bergmann, dass der Bauplatz am Hoeschplatz auch seiner Meinung nach der geeignete Platz für den Neubau des Amtsgerichts Düren sei.

 

Schließlich wurden am 09. November 1934 erste Verhandlungen mit der Stadt über den Neubau am Hoeschplatz aufgenommen und mit dem Bau das Amtsgericht nebst Gefängnis 1937 begonnen.[1]

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[1] Vgl. Landesarchiv NRW Gerichte Rep.255/386/84;Foto: Stadt- und Kreisarchiv Düren.

 

 

 

Direktor A.Schmitz

         

Die Vertragspartner

 

 

Bürgermeister Schmitz

 

 

Führte auf Seiten der Stadtverwaltung die Verhandlungen über den Grundstückstausch:
Bürgermeister Schmitz
 

 

 

   

 

 

Das erste Angebot

Viktoria-/Franken-

straße.

 

 

Das neue Grundstück

 

2.Angebot: Am Hoeschplatz

 

 

                           

Das auf diesem Grund-stück befindliche

städtische Wöchner-innen- und Säuglings-heim (Foto) wurde im Hinblick auf den geplan-ten Gerichtsneubau Mitte der 1930er Jahre abge-rissen.