Das alte Gefängnis in der   Jesuitengasse 16 in Düren

 

Daten und Fakten

 

 

Von 1880 bis 1940 genutzt

Baujahr: 1880

(ehem. Arbeitshaus der Blindenanstalt)

Grundstück: 2589 qm

Erdgeschoss: 5 Zellen, Obergeschoss: 4 Zellen,

Keller: Baderaum, Waschküche.

 

 

 

Links: Gefängnis, rechts: Gerichtsgebäude

 

 

 

Wie schlimm die Zustände im alten Gerichtsgefängnis im Jahre 1922 waren, dokumentiert ein Schreiben an den Justizminister in Berlin vom 20. Juni 1922. Der Präsident des Oberlandesgerichts und der Generalstaatsanwalt beantragten, Mittel für den Bau einer Brauseanlage im Gefängnis kurzfristig bereit zustellen.

 

Das Baden der Inhaftierten konnte seinerzeit nur in der Weise erfolgen, dass das in einem Waschkessel erwärmte Wasser mit Eimern in eine in die Kellererde eingelassene und auszementierte Grube geschüttet wurde. Der Waschkessel fasste aber nur eine solch geringe Menge Wasser, dass der Boden der Badegrube nur in geringer Höhe (2 Hände hoch)angefüllt war. Die Zubereitung eines warmen Bades war aus diesem Grunde nicht möglich, weil das Wasser sofort wieder erkaltete. Da die Gefangenen hierbei gesundheitlich geschädigt werden konnten, unterblieb das Baden.

 

Dieser Zustand konnte aber auf die Dauer nicht beibehalten werden. Das Hochbauamt und der Leiter des Amtsgerichts Düren, Amtsgerichtsrat Lentz, hielten die Einrichtung einer Brauseanlage daher für die beste Lösung der Angelegenheit. Die Genehmigung des Antrags vom 20. Juni 1922 erfolgte dann am 03.Juli 1922 durch das Justizministerium in Berlin.  Am 08.09.1922 war die Brauseanlage fertiggestellt. Die Kostenbetrugen 10301,33 Mark. [1]


[1] Archiv Justiz-Club Düren 2014; Vgl. Landesarchiv NRWGerichte Rep. 255/379/222.

 

 

 

Gefängnisausbruch am 13. April 1921

 

 

Amtsgerichtsrat Lentz, der erst in diesem Jahr die Leitung des Gefängnisses übernommen hatte, tobte: „Das musste ja mal passieren!“ Immer wieder hatte man sich über die baulichen Zustände des Amtsgerichtsgefängnisses in der Jesuitengasse 16 bei den Vorstandsherren des Oberlandesgerichts Köln beschwert. In den Baumängeln sah man die Ursache für die vielen versuchten Ausbrüche der Vergangenheit. Geändert hatte sich nichts. Nun nahm er die fast schon erwartete Meldung des Strafanstaltsoberwachtmeisters Münch entgegen, dass in der Nacht des 13.04.1921 zwei Transportgefangene, 1 Untersuchungshaftgefangener und 1 Strafgefangener aus dem Gefängnis ausgebrochen waren. Die vier Gefangenen saßen vorher mit weiteren fünf Gefangenen in Zelle 3 im Erdgeschoss des sanierungsbedürftigen Hauses.

 

„Mit Eisenteilen, welche sie von den Betten losmachten, haben sie die Nordwand der Zelle durchbrochen“, berichtete Münch mit hastigen Worten seinem Dienstvorgesetzten am frühen Morgen des 14.04.1921. Die Sachbeschädigung war erheblich. Drei Betten mussten repariert werden, ebenso die Wand ausgebessert werden. Anstaltssachen hatten die Entwichenen nicht mitgenommen. Die Beschaffenheit des Mauerwerks war derart, dass es leicht war, ohne großes Geräusch durchzubrechen. Dies war im Gebäude – auch bei den Gefangenen - eine allgemein bekannte Tatsache. Direktor Lentz vernahm Münchs Bericht mit starrem Blick und merklicher Wut im Bauch. „Natürlich hatte der Sturm in der letzten Nacht den Ausbruch noch unterstützt“, erklärte Münch entschuldigend und versuchte, seine Wut auf den nächtlichen Sturm zu lenken. „Uns kann man keine Schuld zuweisen“, murmelte er vor sich hin. Schließlich hatte er in der Vergangenheit schon mehrere Ausbruchversuche vereitelt, weil er durch die Geräusche aufmerksam gemacht wurde. In dieser Nacht war er jedoch wegen des starken Windes machtlos, weil sich die Sturmgeräusche mit dem Ausbruchslärm vermischten. „Niemand der Mitgefangenen hat was gehört“ sagte Münch kopfschüttelnd. „Sie wollen alle geschlafen haben“. Seine Miene zeigte Entschlossenheit, eine etwaige Mitschuld der Aufseher erst gar nicht ins Spiel zu bringen. Münch hatte nun nur noch eine Aufgabe zu erledigen: Die Polizeibehörde und die Landjägerstation mussten verständigt werden.

 

Kurze Zeit später, am 16.April 1921, wurde ein Verschulden irgendeines Gefängnisbeamten an dem Ausbruch ausdrücklich von Gefängnisvorsteher Lentz ausgeschlossen.


Ein weiterer Ausbruch zweier Gefangener ereignete sich in der Nacht zum 14. Dezember 1922, der den Neubau eines Amtsgerichtsgefängnisses notweniger als je zuvor machte.

 

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Vgl. Landesarchiv NRW Gerichte Rep. 255/379/254.

 

 

 

 

Planungen für ein neues Gefängnis bereits in den 1920er Jahren

 

Schätzungsweise erforderliche Raumabmessung:

929 qm

 

Seit Mitte der 1920er Jahren wurden erste Planungen für den Neubau eines Gefängnisses in Düren aufgenommen. Das Gefängnis sollte ausgelegt sein für 40 Männer und 11 Frauen. Man hatte 30 Einzelzellen und 7 Gemeinschaftszellen (für jeweils drei Häftlinge) als Zellenbelegung vorgesehen (30 Einzelzellen zu je 8 qm und 7 Gemeinschaftszellen zu je 18 qm).

 

 

 

 

Als erforderliche Räume waren im Raumverzeichnis vom 18.10.1926 aufgeführt:

 

1 Krankenzelle ( 15 qm) und 3 Spülzellen (je 7 qm)

1 Aufnahme- und Reinigungszelle (10 qm)

1 Strafzelle und 1 Arrestzelle

1 Badezelle für Männer mit 1 Badewanne und 2 Brausen

1 Badezelle für Frauen mit 1 Badewanne und 1 Brause

1 Betraum für etwa 30 Personen (Foto rechts)

 

1 Vernehmungszimmer (zweifenstrig)

1 Expeditionszimmer (zweifenstrig)

1 Aufseherraum für den Nachtdienst

 

1 Gelass für den Reinigungsapparat im Keller

1 Raum für Bekleidungsgegenstände.

1 Raum für die den Gefangenen abgenommenen Sachen

1 Kochküche

1 Raum für Viktualien

1 Kartoffelkeller

 

1 Waschküche mit Rollkammer, Trockenboden

1 Raum für Arbeitsgeräte

1 geschlossener Arbeitsschuppen – ohne Heizung –

1 hinreichend großer Spazierhof (160 qm)

2 Dienstwohnungen für Aufsichtsbeamte  (160 qm)

1 Vernehmungszimmer (16 qm)[1]


[1]Landesarchiv NRWGerichte Rep. 255.

 

 

 

 
Links: Gefängnismauer in der Jesuitengasse.

 

 

Jesuitengasse heute.