Das Nachlassgericht - Erben und vererben.

 

Testament

Ungeklärte Verhältnisse können harte Folgen haben. Das gilt vor allem beim Erben und Vererben. Dabei steckt, wie so oft, die Tücke im Detail. Wenn ein kinderloses Ehepaar für sich entschieden hat, dass beim Tod der Überlebende das gemeinsam gebaute Haus und das Ersparte auf dem Konto erben soll, dann sollte dies unbedingt in einem Testament formuliert sein. Denn sonst könnte es passieren, dass noch lebende Elternteile, Geschwister oder sogar Neffen und Nichten unerwartet die Hand aufhalten – und das völlig zu Recht. Denn ohne einen eindeutig festgeschriebenen „letzten Willen“ gilt die gesetzliche Erbfolge. Und darin spielen, gerade wenn man keine eigenen Nachkommen hat, die Verwandten eine nicht zu unterschätzende Rolle.

 

Nachlassgericht im 3. Stock

 Beim Amtsgericht in Düren gibt es die Nachlassabteilung, auch Nachlassgericht genannt.  Rechtspfleger, Richter und andere Mitarbeiter  kümmern sich darum, dass eine Erbschaft korrekt abgewickelt wird. Dort werden Erben juristisch in die Lage versetzt, das Erbe anzunehmen – oder auch nicht. „ Rund 1000 Vorgänge sind Testamentsachen“. Hinzu kommen etwa 1200 Bürgerinnen und Bürger, die einen Erbschein beantragen. Rund zehn Prozent schlagen dann aber das Erbe aus, weil der Verstorbene auch Schulden hinterlassen hat. Denn ein Erbe wird zum Rechtsnachfolger des Erblassers mit allen Rechten und Pflichten, muss also auch für die Schulden gerade stehen.

 

Anders sieht es bei einem Vermächtnis aus. Dies besagt, dass der Verstorbene jemandem den Anspruch auf einzelne Gegenstände – etwa eine Uhr – vermacht. Genau genommen muss der so Bedachte diesen Anspruch gegen über dem oder den Erben geltend machen.

 

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In seltenen Fällen braucht das Nachlassgericht überhaupt nicht tätig zu werden. Dann nämlich, wenn jemand überhaupt nichts hinterlässt. Aber spätestens, wenn nach Abzug der Beerdigungskosten und Restverbindlichkeiten noch Geld auf dem Konto oder aber eine Wohnung beziehungsweise ein Häuschen vorhanden ist, wird ein Erbschein benötigt. Dazu benötigt der Antragsteller zunächst seinen Personalausweis, die Sterbeurkunde, Urkunden zum Nachweis seiner Abstammung – etwa das Familienstammbuch oder Geburtsurkunde – und im Idealfall ein Testament.

Das Testament erleichtert auf jeden Fall alle weiteren Schritte. Eine eindeutige Willensbekundung vermeidet zudem Erbauseinandersetzungen. Bei derartigen Streitfällen ist übrigens nicht das Nachlassgericht zuständig, sondern das Zivilgericht.

 

Das Lesen des Testaments“ (Karikatur des 19. Jh.)

Wenn ein Testament beim Amtsgericht aufbewahrt wird, erhält das Standesamt des Geburtsortes eine Mitteilung nebst Aktenzeichen des Aufbewahrungsortes, so dass im Sterbefall sofort bekannt wird, dass es ein Testament gibt. Wird also das Ableben eines Menschen im Standesamt beurkundet, geht ein Hinweis auf den letzten Willen umgehend an das Nachlassgericht.

 

Die Testamentseröffnung ist übrigens kein so feierlicher Akt, wie man ihn aus Filmen kennt, bei dem eine Schar von Hinterbliebenen sich andächtig um einen großen Schreibtisch versammelt. Vielmehr öffnet der Rechtpfleger ohne Publikum das Testament und fertigt über diesen Vorgang ein Protokoll an. Erst wenn er aus dem Schriftstück erfahren hat, wer zu den Erben gehört, kann er diese Personen benachrichtigen und gleich eine Kopie des Testamentes mitschicken.

 

Wenn zu einem Namen eine gültige Anschrift fehlt, werden andere  Angehörige um Mithilfe gebeten, damit alle Erben informiert werden können. Schließlich gibt es auch Fälle, bei denen ein beachtliches Vermögen hinterlassen wurde, aber kein Erbe in Sicht ist. Dann versucht ein Nachlasspfleger, rechtmäßige Erben zu ermitteln. Dazu gehört auch eine Veröffentlichung im Bundesanzeiger. Erst wenn alle Bemühungen, einen oder mehrere Erben zu ermitteln fehlschlagen, fällt das Vermögen an den Fiskus, in diesem Fall an das Land Nordrhein-Westfalen.

 

Ein privatschriftliches Testament muss handgeschrieben sein. Computer oder Schreibmaschine darf nur ein Notar benutzen. Wichtig ist das genaue Datum, damit erkennbar wird, wann das Schriftstück verfasst wurde. Am Ende des Schriftstückes muss der Verfasser das Testament selbst unterschreiben. Bei Eheleuten oder Lebensgemeinschaften, bei denen der jeweils andere erben soll, kann auch einer der beiden das Testament (von  Hand!) schreiben. Unterschrieben werden muss es von beiden.  Das Testament kann zu Hause aufbewahrt werden. Das ist kostenlos, kann aber eventuell übersehen oder von einem (unberücksichtigten Erben) beiseite geschafft werden. Eine Aufbewahrung beim Amtsgericht ist sicherer, kostet aber

eine Gebühr, und zwar je nach Wert des Nachlasses.

 

(Quelle: Hartmut Prüss, Niederzier, Foto: H.P.M.)