Das Amtsgericht Düren nahm 1945 die Arbeit wieder auf

 

Nur wenige Räume für die Justizverwaltung  

      

Düren gehörte zunächst zum amerikanischen Kontrollgebiet. Die USA strebten eine schnelle Wiederaufnahme der Zivil-gerichte und der Freiwilligen Gerichtsbarkeit an.


Nach dem Abzug der Amerikaner lag die Befehlsgewalt im Landkreis Düren,  ab Juni 1945 bei der Britischen Militärver- waltung, die in der unteren Etage (u.a. Zimmer 120, 121 und 122)  im Amtsgericht residierte und an deren Spitze Kreis Resident Officer A. E. Laslett stand

 

                                                                                                        

Am 01.10.1945 erließ die britische Militärregierung hinsichtlich ihres Bezirks die so genannte „Allgemeine Anweisung für Richter“, die auch die Strafgerichtsverfassung regeln sollte.

Die damalige Personalsituation im richterlichen Dienst war sehr angespannt, da die Briten nur politisch unbelastete Richter ein- stellten (GV der Militärregierung v. 01.10.1945, AAR 2).

 

Allmählich nahmen sie jedoch diese Voraussetzungen zurück auch so genannte Mitläufer der NSDAP zum Richteramt zu. So nahmen die Amtsgerichtsräte Zillikens, Stenbock-Fermor und Pangh ihren Dienst nach Anweisung der Militärregierung am 13.11.1945 wieder auf. Amtsgerichtsrat Halfmann aus Gei- lenkichen übernahm die Aufsicht beim Amtsgericht Düren.

Die Suspendierungen der Beamten bzw. Angestellten Ruland, Offergeld, Führer, Radscheit und Teusch wurden von der bri- tischen Militärregierung aufgehoben.

 

Der Streitwert in Zivilsachen beim Amtsgericht wurde von 1500 auf 3000 RM angehoben“.

 

Bis 1945 wurden die Urteile im Namen des Deutschen Volkes“ gesprochen; nach 1945 im „Namen des Rechts“. Schließlich wurde 1950 die Formel „Im Namen des Volkes“ von der Bundes-gesetzgebung eingeführt. (2)

 
 Quellen:

 Justizblatt für den OLG Bezirk Köln, 1946, S. 6f, 59,34-39.

 Strauch, Untergerichte-Friedens- und Amtsgerichte imRheinland, Seite 50.

 

 

 

Die Britische Militärregierung legte die

Verwaltung des Amtsgerichtsgebäudes

 in die Hände des Landrates

 

Landrat Wilhelm Seeger

Eine außergewöhnlich solidarische Situation ergab sich im Jahre 1945 hinsichtlich der Nutzung der Räume im relativ gut erhaltenen Amtsge-richtsgebäude. Das Gebäude war sofort wieder mit Ausbesserung-sarbeiten benutzbar gemacht wor- den. Infolgedessen wurde das Ge- bäude nach dem Einzug der Militär-regierung die Zuflucht aller öffentlichen Dienststellen. Mehrere städtische Behörden, die ihre Geschäftshäuser verloren hatten, hatten sich noch bevor die Justizbediensteten in ihr Gebäude zurückkehren konnten, in den Räumen einquartiert. Dazu zählten neben der Mili- tärregierung die Stadtverwaltung, die Kreisverwaltung, das Arbeitsamt und mehrere Privatbanken. Als Erster hatte der Landrat von dem Gebäude Besitz ergriffen. Bei der Rückkehr der Justiz-bediensteten in die zerstörte Stadt und in ihre teils verwüstete Dienststelle bemühte sich der aufsichtführende Dürener Richter von Turegg, die Interessen des Amtsgerichts zu vertreten und geriet damit in einen Konflikt mit der Be- satzungsmacht, die dem Landrat die Verwaltung des Hauses anvertraut hatte. Die Justizverwaltung musste sich schließlich mit der Entscheidung der Militärregierung abfinden, dass der Landrat – vom 18.03.1945 bis zum 26.01.1946 war dies Wilhelm Seeger (Foto) - nun die Geschicke des Amtsge-richtsgebäudes (bis 20.03.1946) in Händen hielt.

 

Alle eingezogenen Behörden vertrugen sich jedoch recht gut. Jedenfalls kam es vorerst zu keinen Rivalitäten untereinander bezüglich der einzelnen Unterbringungen. Dem Amtsgericht Düren standen - jedenfalls noch im Jahre 1945 - genügend Räume für den eigenen Geschäftsbetrieb zur Verfügung. Das Grundbuch wurde durch den Bombenangriff vom 16.11.1944 beschädigt; vernichtet wurde allerdings nur die Grundbuch-kartei. Grundakten und Grundbücher waren im Wesentlichen unversehrt.

 

Mit dem Landrat wurde u.a. verhandelt, dass die bisherigen Reparaturkosten dem Justizfiskus als Eigentümer zur Last fielen. Die Unterhaltungskosten, insbesondere die Kohlen-beschaffungspreise, wurden anteilig verteilt, nachdem der Landrat und der aufsichtführende Richter einen Umlageplan erstellt hatten.  Die Verwaltung durch den Landrat erstreckte sich  nicht auf das benachbarte Amtsgerichtsgefängnis, das allein der Betreuung des aufsichtführenden Richters unter-lag.[1]


[1] Vgl. Landesarchiv NRW Gerichte Rep. 255/383/126,255/33/134; Kreis Düren, Ahnengalerie Landräte.

Die Kreisverwaltung nahm rund 1/3 aller Räume für sich in Anspruch, die Stadtverwaltung ein weiteres Drittel und den Rest teilten sich Amtsgericht, Militärregierung, Polizeiver-waltung, Arbeitsamt, zwei Sparkassen und die Notariate Lennartz, Schopen und Stettner.

 

Im Erdgeschoss waren die Militärregierung und die Polizei untergebracht. Im 1. Stock wurden die Stadt- und Kreisver-waltung und Teile des Amtsgerichts verteilt. Der Keller diente dem Grundbuchamt als Arbeitsraum. Arbeitsamt und 2 Spar- kassen waren nur für kurze Zeit eingezogen. In der 2. Etage standen weitere Räume der Justiz zur Verfügung.

 

Museumsdirektor Dr. Heinrich Appel leitete aus dem Amtsgericht den Neuaufbau des Museums und betreute in Personalunion die Volkshochschule der Stadt Düren (DZ.29.07.2006).

 

Quelle:

Landessarchiv NRW Gerichte Rep. 255/383/196.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

                  Im Frühjahr 1948 wurden weitere

              Räume an die Justiz zurückgegeben.

 

Diesem Zustand ging u.a. ein wochenlanger Streit mit der Stadtverwaltung voraus, der in eine Räumungsklage gegen die Stadt Düren mündete. Durch Urteil des Amtsgerichts Düren vom 24.02.1948  - 2 C 72/48  - wurden die Räume 120,121 und 122 der Justizverwaltung zugesprochen; der Raum 315 ging Zug um Zug an die Stadtverwaltung. Ab dem 24.05.1948 wurden auch die Räume der Kreisverwaltung 228, 229 und 230 geräumt. Der Raum 228 diente als Anwaltszimmer und das Zimmer 229 beherbergte die Kanzlei für Zivilsachen. Die Ausbildung der Rechtspfleger fand in Raum 230 statt, der auch Aufenthaltsraum der Referendare und Beratungszimmer war. Im Raum 119 wurde nun ein Dienstzimmer für den Grundbuchrichter eingerichtet und in Zimmer 120 die Gerichtszahlstelle verlegt. In Zimmer 222 arbeiteten ab sofort 2 Rechtspfleger, in Raum 223 ein Richter für Strafsachen. In Zimmer 224 war die Geschäftsstelle für Zivilsachen untergebracht und in Raum 225 ein Zivilrichter. Alle anderen Dienststellen des Amtsgerichts befanden sich im Jahre 1948 in der 2. Etage. Trotz Bemühungen der Justizverwaltung war es 1948 nicht möglich, die auf das ganze Haus verstreuten Dienststellen auf einer Etage oder auch nur näher zusammenzulegen
 

Landesarchiv NRW Gerichte Rep. 255/383/197und 255/383/246.




Das Amtsgericht mit steigender Geschäftszunahme .

Das Gebäude war 1948

baulich wieder in Ordnung.

 

Wie sich die allgemeine Lage rund um das Amtsgerichtsgebäude1948 darstellte, zeigt eine Niederschrift vom 16. Mai 1948 des Justizministeriums in Düsseldorf, die u.a. Aussagen über den Zustand der beiden Gebäude an der August-Klotz-Straße 12-14 zum Inhalt hatte.

 

Anwesend an diesem Tag waren der Abteilungsleiter des Justizministeriums und der Präsident des Oberlandesgerichts Köln. Festgestellt wurde seitens der Begutachter, dass das Dürener  Amtsgerichtsgebäude abgesehen von noch zu beseitigenden schweren Mauerrissen am Nebengebäude und sonstigen, die Benutzung wenig beeinträchtigenden Kriegsschäden, baulich in Ordnung war. Da in dem Gebäude noch Dienststellen der Militärregierung, eine Außenabteilung des Landwirtschaftsministeriums, die Polizei sowie die Kreis- und Stadtverwaltung untergebracht waren, hatte das Amtsgericht Düren selbst bei stetig  steigender Geschäftszunahme zu wenig Raum.

 

Außerdem wurde der Geschäftsbetrieb des Gerichts noch dadurch erschwert, dass seine Räume in allen  Stockwerken verteilt lagen. Drei durch die Stadtverwaltung frei gewordene Räume sollten auf Anordnung der Militärregierung der Polizei überlassen werden. Dafür sollte das Amtsgericht zwei neben dem Sitzungssaal gelegene Räume erhalten, die jedoch von der örtlichen Justizverwaltung als weniger geeignet bezeichnet wurden. Der Hauswart des Amtsgerichts Düren nutzte 1948 die Wohnung des Heizers, der wiederum in Schlich wohnte, im Winter jedoch ein Zimmer im Amtsgerichtsgebäude erhielt.

 

Das Gefängnisgebäude war im Mai 1948 baulich in Ordnung. Es hatte eine Belegungsfähigkeit für 41 Männer und 10 Frauen. Am 16. Mai 1948 war es allerdings mit 86 Männern und 8 Frauen belegt. Die Zellen waren nach Süden und insofern ungünstig gelegen, weil sie zu viele Verbindungsmöglichkeiten mit der Außenwelt boten.

 

Die im Nebengebäude des Amtsgerichts befindlichen früheren Gefängnisdienstwohnungen wurden durch die Polizei genutzt.

 

Statistik:

 

Eingänge in Strafsachen in der Zeit vom 01.07.1949 bis 30.09.1949:

 

Strafbefehle: 297, Strafverfügungen: 1137, Privatklagesachen: 26, Anklagen (Ds): 142, Ermittlungssachen (Gs): 292, Hauptverhandlungen vor dem Schöffengericht: 160, Rechtshilfesachen: 247, Durchschnittsbelegung des Amtsgerichtsgefängnisses: 59 Personen.

Quelle: Landesarchiv NRW Gerichte Rep. 255.

 

 

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 Alle unter einem Dach

 

 

Im Amtsgerichtsgebäude  hatten sich ab 1945

folgende Dienststellen niedergelassen:

 

 

Amtsgericht

2 Sparkassen

Kreisverwaltung

Stadtverwaltung

Arbeitsamt

Militärregierung

Polizeiverwaltung

Notariat Schopen

Notariat Lennartz

Notariat Stettner


 

 

 

 

 

 

Erdgeschoss: Militärregierung

 

 

Das  ganze Personal des  Amtsgerichts bestand 1947 aus 45 Personen, denen ca. 577 qm des  Gebäudes zustanden. Dem   Landratsamt standen zum Vergleich 810,57 qm zu, der Stadtverwaltung 572,55 qm.

Die brit. Militärregierung benutzte 261,47 qm (in der unteren Etage) bei einer Personalstärke von 14 Angehörigen.

 

Hier war auch die Telefonzentrale für das  Gebäude untergebracht. Den Notaren Lennartz und Schopen standen 27,35 qm bzw. 22,40 qm mit jeweils 4 Personen zu. Die Polizei verfügte über 145,91 qm bei einer Personalstärke von 36 Personen. [1]

      

[1]Landesarchiv NRW Gerichte Rep. 255/368/201.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zwischen dem 15. und 19. März 1949 zogen einige Abteilungen der Kreisverwaltung aus dem Gebäude in die Aachener Straße 32, Düren, um. (AVZ 23.03.1949).

Um 1950 wardas Dach wieder vollständig herge stellt. Im Amtsgerichts gebäude standen der Justiz  nur 36 Prozent der Räume zu.

 

Erst im Oktober/ November 1952 zogen die noch im Amtsgerichtsgebäude verbliebenenstädtischen Dienststellen in die Häu-ser Rurstraße 59, Josef-Schregel-Straße 1 und in eine Baracke  neben der zerstörten evangelischen Kirche in der Schenkel-straße um (STAD:VW 1952, S.2).

 

 

Das Gebäude wurde wieder aufgebaut.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Amtsgerichtsgefängnis